Wie können wir die Welt nicht nur interpretieren, sondern sie auch verändern? Über welche Mittel verfügen wir, die gesellschaftliche Wirklichkeit zu begreifen und diese nach unseren Bedürfnissen zu gestalten?

marx-engels-300x205Wir sind der Ansicht, dass uns auch heute noch die Marx’sche Lehre theoretische Instrumente an die Hand gibt, unsere Lage zu erkennen und zu analysieren. Sie kann uns auch heute noch als Schlüssel zum Verständnis sozio-ökonomischer Verhältnisse und historischer Prozesse dienen, und uns helfen, eine revolutionäre Praxis zu entwickeln.

Gerade weil die Klassiker des Marxismus aus Schule und Uni verdrängt wurden, ist es uns ein Anliegen, uns über Originaltexte ihre Lehren zu erschließen. Als SDAJ-Gruppe Freiburg wollen wir einen Raum für das Studium und für die kollektive Debatten in Form eines Lesekreises schaffen.

Dabei gehören für uns Fragen, Widersprüche und Kritik ausdrücklich dazu. Statt konsequenzloser Diskussionsrunde wollen wir uns gemeinsame Grundlagen erarbeiten mit all denen, die an revolutionärer Theorie und Praxis interessiert sind.

Wir freuen uns immer über neue und neugierige Gesichter! Wenn du Fragen hast, oder vorbeikommen möchtest, dann schreibe uns.

Wir treffen uns alle zwei Wochen Donnerstags um 19.00 Uhr im Linken Zentrum – adelante! (Glümerstraße 2, Freiburg).

Geplante Termine und Texte:

Datum Textgrundlage
31/10/13 W.I. Lenin: Drei Quellen und Drei Bestandteile des Marxismus
14/11/13 SDAJ Grundlagenschule: Marxistische Philosophie (S. 2-10)
28/11/13 F. Engels: Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft I (S. 189-201)
12/12/13 F. Engels: Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft II (S. 202-209)
Weihnachtspause
09/01/14 SDAJ Grundlagenschule: Wissenschaftlicher Sozialismus (S. 20-24)
23/01/14 K. Marx: Thesen über Feuerbach
06/02/14 H.H. Holz: 10 Thesen zur Marxistisch-Leninistischen Theorie

SDAJ-FahneVergangenes Wochenende führte die Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) erfolgreich ihren 21. Bundeskongress durch. Zwei Tage lang diskutierten 100 Delegierte im hessischen Eschborn bei Frankfurt am Main über Arbeitsvorhaben in den nächsten zwei Jahren. Neben einer Kampagne und einer Handlungsorientierung, wurde auch ein neuer Bundesvorstand und einer neuer Vorsitzender gewählt.

Der Bundeskongress ist das höchste beschlussfassende Gremium der SDAJ, er findet alle zwei Jahre statt. Nach intensiver Vorbereitung ist es das erste Mal seit über zwanzig Jahren gelungen, den Kongress wieder als Delegiertenkongress durchzuführen. An den knapp fünfhundert Änderungsanträgen an die Leitanträge des Bundesvorstandes und den qualifizierten Diskussionen lies sich die intensive Vorbereitung aller Gruppen und Landesverbände erkennen.

Lang und ausführlich wurde der Vorschlag des Bundesvorstandes zu einer Kampagne im Bereich Arbeiterjugendpolitik diskutiert. Die Kampagne hat zum Ziel Verursacher und Profiteure mieser Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen zu outen und Jugendliche in Kämpfe zu führen. Zentrales Mittel der Kampagne „Unsere Zukunft statt eure Profite! Ausbeuter outen – Ausbildung erkämpfen“ ist dabei die Forderung nach einem Ausbildungsgesetz.

SDAJ2In der Debatte um eine alternative Kampagne zum Thema Jugendarbeitslosigkeit in Europa wurde intensiv über den Charakter von Gesetzesforderungen, den Zusammenhang von Theorie und Praxis bei der Herausbildung von Klassenbewusstsein und der Rolle einer revolutionären Jugendorganisation in Reformkämpfen diskutiert. Einmütigkeit gab es bei der Feststellung, dass der SDAJ niemand die wichtige Aufgabe abnehmen wird in betrieblichen Kämpfen die Einsicht zu vermitteln, dass die Interessen der Arbeiterjugend nur gegen den Willen der Herrschenden und ihren Staat durchzusetzen sind.

Mit einigen Änderungen beschlossen die Delegierten letztlich die Kampagne „Unsere Zukunft statt eure Profite“ als Antwort auf die aktuelle Offensive der deutschen Banken und Konzerne. Anknüpfend an die in letzter Zeit gewachsenen Erfahrungen der SDAJ in gewerkschaftlichen und betrieblichen Kämpfen werden im Jahr 2014 nun also die Kräfte gebündelt um gemeinsam mit vielen Jugendlichen für einen klaren Riegel gegen die Verfügungsgewalt des Kapitals zu kämpfen. Auf der Straße und in den Betrieben soll Druck für mehr Ausbildungsplätze, eine qualitativ hochwertige Ausbildung, deutlich bessere Vergütung und gegen Ausbildungsplatzmangel, Leiharbeit, fehlende Übernahme, sowie befristete Arbeitsverträge aufgebaut werden.

Diese Kämpfe zusammenzuführen bedeutet, den politischen Kampf um ein Ausbildungsgesetz zu führen. Im Kampf für so ein Ausbildungsgesetz wird auch erfahrbar, wer in diesem Staat wirklich das Sagen hat: die Banken und Konzerne! Gegen sie muss das Ausbildungsgesetz gemeinsam durchgesetzt werden.

Neben der Kampagne wurde vor allem eine Handlungsorientierung, die Entwicklungsschritte in allen zentralen Arbeits- und Schwerpunktbereichen des Verbands festlegt, diskutiert und beschlossen. Großen Raum nahmen Debatten über Inhalt und Ausbaumöglichkeiten der Bildungsarbeit, die Weiterentwicklung der Frauenpolitik, sowie Schutzmaßnahmen gegen staatliche Repression und Angriffe von Rechts ein.

Nachdem seit dem letzten Bundeskongress mit Baden-Württemberg ein weiterer Landesverband gegründet werden konnte beschlossen die Delegierten, dass sich die SDAJ nun verstärkt der Anleitung landesweiter Arbeit und dem Aufbau von Strukturen im Osten zu widmen hat.

buko3Mit einem Video wurde an die erfolgreichen Kubabrigaden erinnert, die auch von Gästen von der Freundschaftsgesellschaft BRD-Cuba und dem kubanischen Konsulat in Bonn gewürdigt wurde. Der Eintritt neuer Mitglieder wurde gefeiert, GenossInnen, die aus Altersgründen die SDAJ verließen, darunter der bisherige Bundesvorsitzender Björn Schmidt, wurden verabschiedet. Der Kongress dankte Björn besonders für seine orientierende Rolle in der Arbeit als Vorsitzender in den letzten fünf Jahren. Gewählt wurde auch eine neue bundesweite Leitung des Verbandes. Der 23-jährige Paul Rodermund aus Baden-Württemberg wurde zum neuen Vorsitzenden gewählt.

Wichtiger Bestandteil der Tagung waren auch die revolutionären Grüße der vielen anwesenden Gäste, die ein fürs andere mal für stehenden Beifall sorgten. Anwesend waren VertreterInnen von Schwesterorganisationen aus Belgien, Griechenland, Luxemburg, Österreich, Spanien und der Vizepräsident des Weltbundes der demokratischen Jugend. Patrik Köbele, Vorsitzender der Deutschen Kommunistischen Partei betonte in seinem viel beklatschten Grußwort das besondere Verhältnis von SDAJ und DKP.

Mit diesem Bundeskongress hat sich die SDAJ für die kommenden Kämpfe der arbeitenden und lernenden Jugend gestärkt und konnte neue Schritte in der Entwicklung des Verbandes gehen. Die sorgfältigere und kollektivere Vorbereitung durch das Delegiertenprinzip qualifizierten die Diskussionen, die auch zeigten an welchen Punkten der Verband in Zukunft weiter diskutieren muss.

Nun geht es darum die vielen Diskussionen und Beschlüsse in eine schlagkräftige Praxis zu übertragen. Im Kampf auf der Straße und im Betrieb: „Ausbeuter outen – Ausbildung erkämpfen!“

(Auch die jungeWelt berichtet in ihrer heutigen Ausgabe)

plakat

Wir unterstützen das Überregionale Bündnis Nazis Stoppen! Fahrt am 12. Oktober mit uns nach Göppingen! Infos zur gemeinsamen Anfahrt aus Tübingen folgen in Kürze.

Nazis stoppen!
Kein Naziaufmarsch am 12. Oktober in Göppingen!

Die Faschisten in der Region Göppingen haben in den letzten Jahren eine aktive Naziszene aufgebaut. Allein im letzten Jahr veranstalteten die selbsternannten “Autonomen Nationalisten Göppingen” fünf Kundgebungen und Demonstrationen und fielen immer wieder auf, durch Bedrohungen und Angriffe gegen Menschen, die nicht in ihre beschränkte Weltanschauung passen. Am 12. Oktober wollen sie nun erneut aufmarschieren. Das lassen wir uns nicht bieten!

Die Stadt Göppingen ist ein Paradebeispiel dafür, wie sich Naziszenen entwickeln können, wenn sie nicht frühzeitig als Problem erkannt und bekämpft, sondern stattdessen von Lokalpolitik und Stadtverwaltung verheimlicht und verharmlost werden. Wenn Nazis auf diese Art Raum geboten wird, nutzen sie diesen und breiten sich aus. Bringt man ihnen Gleichgültigkeit oder gar Toleranz entgegen, so zeigen sie verstärkte Präsenz durch Angriffe und Agitation. Jedes selbstbestimmte öffentliche Auftreten der Faschisten stärkt sie nach Innen und ist eine unmissverständliche Drohgebärde nach Außen. Je stärker und durchsetzungsfähiger sie sich dabei geben können, desto anziehender wirkt der Auftritt auf rechtsoffene SympathisantInnen, desto höher also die Gefahr von weiterem Zulauf.

Seit nunmehr über 90 Jahren morden sich der Faschismus und seine Vertreter durch die Geschichte. Mindestens 184 Tote durch Nazigewalt in der BRD seit 1990, die NSU-Morde und der rassistische Massenmord von Oslo sind aktuelle Beispiele der mörderischen Konsequenzen dieser Ideologie. Es ist ein fataler Fehler, diese Taten aus ihrem politischen Zusammenhang zu lösen und zu Gewalttaten fanatischer Einzeltäter umzudeuten. So bleiben die dahinterstehenden Strukturen, Netzwerke und Verbindungen im Dunkeln und werden verharmlost. Die deutschen Faschisten haben mit ihrem Vernichtungszug gegen die europäischen Jüdinnen und Juden, gegen Sinti und Roma und Homosexuelle, mit der blutigen Zerschlagung der gesamten ArbeiterInnenbewegung und dem kompromisslosen Kampf gegen alle fortschrittlich gewandten Menschen schon einmal eines der dunkelsten Kapitel der Menschheitsgeschichte geschrieben. Auch wenn die faschistische Gewalt heute in ihren Dimensionen neben diesen Ereignissen verblasst, so entspringt sie doch derselben Intention, derselben Gedankenfolge von wertvollem und unwertem Leben. Die heutigen Faschisten sind die direkten Nachfolger der Nazis von damals. Zwangsarbeit, das Verbot jeder gewerkschaftlicher Mitbestimmung, die systematische Verschlechterung der Arbeitsbedingungen und nicht zuletzt ein unvorstellbar zerstörerischer Weltkrieg, dem Millionen von Menschen geopfert wurden. Das sind die realen Auswirkungen einer faschistischen Herrschaft. Mit dem vermeintlichen Kampf gegen “Unrecht”, oder gar antikapitalistischen Aussichten hat das nichts zu tun. Nazis sind keine Antikapitalisten, sondern streben die Zuspitzung von Ausbeutung und Unterdrückung an. Eine vielfältige und dabei gleichberechtigte Gesellschaft mit wirklichen Beteiligungsmöglichkeiten ist das genaue Gegenteil der faschistischen Bestrebungen und ihr erstes Angriffsziel.

Alle, die für Solidarität und gesellschaftliche Mitbestimmung eintreten, haben zugleich auch die Pflicht, rechte Angriffe abzuwehren und den Nazis einen aktiven Widerstand entgegenzubringen. Solange die menschenfeindliche faschistische Hetze verbreitet werden kann, ist es notwendig, den Verantwortlichen jeden Handlungsraum zu nehmen. Faschistische Demonstrationen sind zwar nur die Spitze des Eisbergs, sie sind zugleich aber der offensichtlichste Punkt, an dem eine Gegenbewegung ansetzen kann und muss. Diese Aufmärsche mit Blockaden zu verhindern ist ein viel erprobtes Mittel, das sich in den letzten Jahren mehrfach bewährt hat. In zahlreichen Städten in der ganzen BRD – Dresden, Karlsruhe, Mannheim, oder Potsdam sind nur einige Beispiele – haben hunderte und tausende Menschen aus allen Teilen der Gesellschaft, unabhängig von Alter, Herkunft, oder sozialem Hintergrund mit engagiertem Einsatz bewiesen, dass Nazis gestoppt werden können. Um das zu erreichen, müssen wir als antifaschistische Bewegung zusammenhalten und einen respektvollen und solidarischen Umgang wahren.

Am 12. Oktober werden wir den Nazis in Göppingen unsere Solidarität, unseren Zusammenhalt und unsere Entschlossenheit entgegensetzen – sie sollen keinen Schritt laufen!. Dabei wollen wir uns weder auf Provokationen der Polizei einlassen, noch werden wir uns von ihr einschüchtern, oder uns von unserem Vorhaben abbringen lassen. Kommt alle und bringt gemeinsam mit uns einen vielfältigen, kreativen und dynamischen Widerstand auf die Straße! Wir werden die Stadt mit Leben füllen, lautstark demonstrieren und die Nazis blockieren. Solange die Gegner eines solidarischen und gleichberechtigten Zusammenlebens ihre Hetze auf die Straße tragen, werden wir nicht aufhören eines deutlich zu machen:

Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen!
Kein Fußbreit den Faschisten!

Wir.Dienen. Dem Kapitalismus_headerAm Donnerstag, den 26.9., machten sich einige Genoss_innen auf den Weg nach Balingen (Zollernalbkreis), um dort eine der mittlerweile immer häufigeren Propaganda- und Rekrutierungsveranstaltungen der Bundeswehr zu stören.

Seit einigen Jahren drängt die Bundeswehr vermehrt an Schulen, Berufsschulen, in die sog. „Jobcenter“ sowie ganz allgemein in den öffentlichen Raum. Dies soll einerseits generell der Normalisierung ihrer Präsenz in der Öffentlichkeit – und somit der Akzeptanz von Kriegseinsätzen – dienen. Zugleich ist die Bundeswehr seit der Aussetzung der Wehrpflicht darauf angewiesen, neue Rekrut_innen gezielt anzuwerben. Besonders perfide ist, wie die Bundeswehr hierbei die Perspektivlosigkeit junger Menschen, die oftmals keine Aussicht auf einen Ausbildungs- oder Studienplatz haben, ausnutzt.

Auch bei dieser „Berufsmesse“ in Balingen versuchte sich die Bundeswehr als „normaler Arbeitgeber“ darzustellen. Sozusagen zwischen Bäckerhandwerk und Baugewerbe trat also auch die Bundeswehr auf – immerhin eine Armee im Einsatz, die für den Tod tausender Zivilisten und Aufständischer insbesondere in Afghanistan verantwortlich ist. Als sei es ein Job wie jeder andere, Menschen in besetzten Ländern zu erschießen oder zu bombardieren, warb die Bundeswehr hier für eine vermeintliche „Karriere mit Zukunft“. Selbstverständlich wurden keine Fotos zerfetzter Leichen gezeigt oder etwa berichtet, wie viele deutsche Soldat_innen verletzt, verstümmelt und traumatisiert in die BRD zurückkehrten oder sich nach ihrem Kampfeinsatz am Hindukusch das Leben nahmen. Stattdessen fabulierten uniformierte Soldat_innen vom angeblichen „Dienst für Deutschland“ und guten Karrierechancen, wobei sie massenhaft Merchandise-Artikel verteilten.

Wir erwarteten unterdessen die Schüler_innen am Eingang des Messegeländes mit einem „Bundeswehr raus aus den Schulen!“-Transpi. Ein falscher Jugendoffizier (ein Genosse in einer Bundeswehruniform vom Flohmarkt) machte mit lauten Rufen auf sich aufmerksam: „Wer will für sein Land sterben?“. Nach anfänglicher Irritation verstanden jedoch die meisten jungen Leute, dass es sich bei den Parolen des „Soldaten“ um bittere Ironie handelte, dass das ganze also eine antimilitaristische Aktion war. Außerdem verteilten wir einige Hundert Flyer, die von den meisten sehr interessiert entgegen genommen wurden. Mit verhältnismäßig vielen Besucher_innen dieser „Jobmesse“ kamen wir auch ins Gespräch, wobei wir nicht nur die Lebenswirklichkeit von Soldat_innen – Gehorsam, Verlust von Grundrechten, Morden und Getötetwerden – darlegten, sondern auch über den Zusammenhang von Kapitalismus bzw. Imperialismus und Militäreinsätzen aufzuklären suchten.

Nicht nur haben wir mit dieser Aktion sicherlich einige Schüler_innen zum Nachdenken anregen können; besonders erfreulich waren darüber hinaus positive Rückmeldungen von Seiten mancher Lehrkräfte.

Bundeswehr raus aus den Schulen, raus aus den Köpfen, raus aus allen besetzten Gebieten!

cropped-header-kopieDemo Gegen die Einheitsfeierlichkeiten am 3. Oktober in Stuttgart

Die Demonstration gegen die Einheitsfeierlichkeiten am 3. Oktober soll um 14:00 Uhr an der Lautenschlagerstraße in der Nähe des Stuttgarter Hauptbahnhofes beginnen.

csm_lageplan_festgelaende_01.00_5894030_222b6406c7-300x217Bezüglich der Route laufen aktuell Verhandlungen mit dem Ordnungsamt. Da die Feierlichkeiten noch in Planung sind und einen Großteil der Innenstadt in Beschlag nehmen sollen, versucht die Behörde eine klare Bestätigung der angemeldeten Route herauszuzögern.  Wir bleiben dran und informieren euch hier, sobald es dazu Neuigkeiten gibt!

————————————————————————————–

Das Programm zur Show der Herrschenden findet sich hier. Neben den teilnehmenden Einrichtungen und unterstützenden Sponsoren, sowie der dort auftretenden politischen und kulturellen Repräsentanz findet ihr hier einen groben räumlichen Überblick zu den Feierlichkeiten.

Aufruf des antikapitalistischen Bündnisses:

Am 3. Oktober sollen in Stuttgart die offiziellen Feierlichkeiten zum sogenannten „Tag der Deutschen Einheit“ stattfinden. Unter dem Motto „Zusammen einzigartig“ werden eine halbe Million Besucher zu dem Spektakel erwartet. Mit Partymeile, Bürgerfest, Gottesdienst, Spiel- und Sportarena und staatsoffiziellem Festakt soll die aufwändige Inszenierung vor allem eines: Den kompromisslosen Siegeszug des deutschen Kapitals der letzten 23 Jahren in hellem Glanz präsentieren und als Wohltat für die gesamte Bevölkerung verkaufen. Mit unermüdlicher Hetze gegen die DDR als sozialistischen Staat, sollen gesellschaftliche Perspektiven jenseits des Kapitalismus zugleich diskreditiert und als „ewig gestrig“ abgestempelt werden. Im Spotlight der großen Show stehen reaktionäre Impulsgeber  wie Bundespräsident Gauck, der nicht nur den Rassismus eines Thilo Sarrazin für mutig befindet und den deutschen Kriegseinsatz in Afghanistan gerne fortsetzen möchte, sondern auch das Hartz4-Armutpaket als Muntermacher würdigt.

Was die Einverleibung der DDR und die 1990 angestoßene Entwicklungen für den größten Teil der Bevölkerung innerhalb der neugezogenen Grenzen der BRD tatsächlich bedeuteten, ist alles andere als ein Grund zu feiern. Massenarbeitslosigkeit, Armut, weitreichender staatlicher Sozialabbau, sinkende Reallöhne und prekäre Arbeitsverhältnisse. Das sind die Einschnitte, die für die kapitalistischen Interessen am „Standort Deutschland“ in den letzten Jahren in Kauf genommen werden sollten. Die Beteiligung der Bundeswehr an Kriegseinsätzen auf dem gesamten Globus zur Sicherung von Einflusssphären, Ressourcen und Absatzmärkten gehört ebenso zum „Deutschland-Komplettpaket“, wie eine passende ideologische Unterfütterung der kapitalistischen Mobilmachung: Schwarz-Rot-Goldener Einheitstaumel ist wieder voll im Trend und soll nicht nur bei Fußballspielen und an Feiertagen für ein nationales Gemeinschaftsgefühl sorgen, dass weder Ausgebeutete noch Ausbeuter kennt und alle scheinbar an einem Strang ziehen lässt. Diejenigen, die nicht in dieses nationalistische Konzept passen, wie “unerwünschte” MigrantInnen, oder sozial Benachteiligte, haben dabei das Nachsehen. Rassistische und sozialdarwinistische Stimmungsmache und Gewalt, haben in den letzten 20 Jahren in Pogromen und Morden immer wieder traurige Höhepunkte erlebt.

Was ist Anfang der 90er Jahre also passiert? Mit dem Niedergang der DDR und den sozialistischen Staaten um die Sowjetunion, ist die große Systemkonkurrenz der westlichen kapitalistischen Staaten gefallen. Damit ist auch die hohe Messlatte verschwunden, die sozialistische Staaten wie die DDR in Sachen Sozialpolitik im Weltmaßstab gesetzt haben. Durch verstaatlichte Ressourcen und Märkte, sowie hohe Standards der sozialen Sicherung haben sie den globalen kapitalistischen Verwertungsdrang in einem gewissen Rahmen gehalten und das westliche Kapital zu Zugeständnissen an die lohnabhängige Bevölkerung gezwungen. Der Weg für Kürzungsorgien und den Rückbau von erkämpften Rechten der Lohnabhängigen in der BRD, wurde durch den sozialistischen Zusammenbruch wieder freigeräumt. Die Produktionsmittel der DDR gingen derweil entweder zu Ramschpreisen in kapitalistische Hände über, oder wurden schlichtweg brachgelegt, um westlichen Kapitalfraktionen keine neue Konkurrenz zu schaffen. Für die Lohnabhängigen blieb eine zerstörte wirtschaftliche Infrastruktur und soziale Perspektivlosigkeit zurück. Die neue Größe und das erhöhte wirtschaftliche Potenzial der neuen BRD brachten Großmachtbestrebungen der Herrschenden mit sich, die gerade heute in der autoritären deutschen Europapolitik wieder offen zu Tage treten.

Auch heute noch ist die DDR den Herrschenden ein Dorn im Auge. Anstatt einer ernsthaften Auseinandersetzung mit den Fehlern des Staates, werden Vergleiche zum menschenverachtenden deutschen Faschismus gezogen und Probleme wie staatliche Repression, einseitige Beteiligungsmöglichkeiten und Privilegien für die Oberschicht, die in kapitalistischen Staaten noch wesentlich ausgeprägter sind, groß skandalisiert. Dass hier mit zweierlei Maß gemessen wird, zeigt sich nicht zuletzt daran, dass Errungenschaften des sozialistisches Staates, wie die allgemeine Sicherung vor Armut, das Bildungssystem ohne strukturelle Benachteiligungen, oder die weitreichende Gleichberechtigung von Frauen, in der öffentlichen Auseinandersetzung zugleich konsequent ausgeblendet werden.

Wir werden am 3. Oktober auf die Straße gehen, um gegen die Glorifizierung des kapitalistischen Vormarsches in allen Bereichen der Gesellschaft zu protestieren. Die nationalistische Proklamierung von „Einheit“ und „Zusammenhalt“ kann einzig und allein denen nutzen, die von den immer schlechteren Lebens- und Arbeitsbedingungen der lohnabhängigen Masse der Bevölkerung profitieren. Ob die vermeintliche Zusammengehörigkeit in rassistischer Manier durch Abgrenzung und Diffamierung von Anderen, oder ganz modern als „multikulturelles Teamwork“ für den deutschen Standort, präsentiert wird, spielt letztendlich keine Rolle – wir lassen uns davon nicht täuschen! Im Kampf um eine solidarische und gerechte Gesellschaft lassen wir uns weder entlang unserer Herkunft und Kultur spalten, noch vergessen wir den Unterschied zwischen der profitablen Aneignung und dem erzwungenem Verkauf von Arbeitskraft. Unsere eigentlichen Gemeinsamkeiten kann kein Nationalstaat präsentieren. Sie stecken vielmehr in dem Interesse, eine befreite Gesellschaft aufzubauen. Eine Gesellschaft, in der wir gemeinsam und ausgehend von den vorhandenen Möglichkeiten und Bedürfnissen der Menschen, über die Produktion und Verteilung von Gütern und den Aufbau des sozialen Gefüges entscheiden.

Mit einer lautstarken antikapitalistischen Demonstration und kreativen Störaktionen während den Feierlichkeiten zum 3. Oktober werden wir deutlich machen, dass wir die unaufhaltsam anwachsenden Missstände in der Gesellschaft nicht einfach hinnehmen. Daran ändern auch inszenierte Jubelorgien nichts.

Der Kapitalismus ist nicht das Ende der Geschichte!
Für eine antikapitalistische Perspektive!

Für eine Spitzenaktion am 12. September 2013!

Als Auftakt einer europaweiten Kampagne fordern Unterstützerinnen und Unterstützer am 12. September symbolisch auf der höchsten Erhebung Deutschlands, der Zugspitze, die Freilassung der in den USA gefangenen „Cuban Five“.

Auf den Tag genau vor 15 Jahren waren die fünf Cubaner, die sich in exilcubanische Terrorgruppen eingeschleust hatten, in Miami unter dem Vorwurf der Spionage festgenommen und später zu drakonischen Haftstrafen verurteilt worden. Lediglich René González konnte mittlerweile nach Cuba zurückkehren. Allein der Druck der internationalen Öffentlichkeit auf Präsident Obama wird erreichen können, dass Fernando González, Antonio Guerrero und Ramón Labañino alsbald freigelassen werden und vor allem Gerardo Hernández nicht den Rest seines Lebens als Gefangene der USA fristen muss.

spitzenaktion_cuban_five_02-300x204Vom US-Territorium aus gegen Cuba verübte terroristische Anschläge haben seit 1959 mehr als 3400 Menschenleben gekostet. Von den Behörden unbelangt, bewegen und organisieren sich die Hintermänner in Miami. Die Cuban Five konnten durch ihre Aufklärungsarbeit über 170 Anschläge verhindern und wurden dafür in einem Land, das vorgibt, einen „Krieg gegen den Terror“ zu führen, unter teilweise menschenunwürdigen Bedingungen eingesperrt. Längst hat der Fall internationale Aufmerksamkeit erregt. Die Vereinten Nationen stufen die Verhaftung und Verurteilung der fünf Männer als willkürlich ein.

Amnesty International protestierte mehrfach bei der US-Regierung. Nobelpreisträger, Gewerkschaften und Solidaritätsorganisationen aus der ganzen Welt sind gegen das offensichtlich politisch motivierte Unrecht an den Gefangenen aufgestanden. Die unlängst ans Tageslicht gekommenen Beweise über bezahlte Aufträge der US-Regierung an Journalisten aus Miami, während des Juryprozesses gegen die Angeklagten zu hetzen, haben für einen erneuten Aufschrei gesorgt. Die Enthüllungen des Whistleblowers Edgar Snowden über die gigantischen US-Abhörprogramme lassen den Vorwurf der Spionage gegen fünf Männer, die ausschließlich terroristische Aktionen vereitelten, noch absurder erscheinen.

Anlässlich des 15. Jahrestages der Verhaftung der fünf Cubaner werden erneut auf der ganzen Welt Solidaritätsaktionen stattfinden, um auf den Fall aufmerksam zu machen. In verschiedenen Ländern der Welt haben junge Menschen bereits die Forderung nach ihrer Freilassung auf die höchsten Gipfel getragen. Wir wollen in Deutschland nachziehen und am 12. September auf der Zugspitze ein symbolisches Zeichen für die Freiheit der Cuban Five setzen. Dabei ist es das Ziel, dass so viele Menschen wie möglich diese Aktion durch ihren Besuch auf der Website www.spitzenaktion.de mittragen.

Die DKP lädt am 13. September zu folgender Veranstaltung ins Linke Zentrum Lilo Herrmann in Stuttgart:

Als Beitrag zur Mobilisierung der Proteste gegen die offizielle Jubelfeier zur „Deutschen Einheit“ am 3.Oktober in Stuttgart lädt die DKP ein zur

 Diskussionsveranstaltung

mit Hans-Peter Brenner,

stellvertr. DKP-Vorsitzender

Währungsfragen sind Klassenfragen!“

Freitag, 13.September 2013 um 18.00 Uhr

Im Linken Zentrum Lilo Herrmann

Stuttgart-Süd, Böblinger Str.105

Riot police stand near the euro sign in front of the European Central Bank headquarters during an anti-capitalist "Blockupy" demonstration in Frankfurt

 

1990 war der „Einmarsch“ der D-Mark in die DDR der entscheidende Hebel zur Durchsetzung der Dominanz v.a. des westdeutschen Kapitals. Heute ist der „Durchmarsch“ des EURO in großen Teilen Europas der entscheidende Hebel zur Durchsetzung der Dominanz des deutschen Imperialismus!

DKP Baden-Württemberg und DKP Stuttgart

OTFRIn den nächsten Tagen plant die NPD im Rahmen ihrer “Deutschlandtour” verstärkte Wahlkampfaktivitäten in der Region Tübingen/Reutlingen. Stellen wir uns ihnen in den Weg! Die neofaschistische NPD ist keine bürgerliche Partei wie jede andere. Als wären CDU, FDP, SPD etc. nicht schon schlimm genug, vertritt die NPD bürgerliche Ideologie in ihrer derzeit offensten und reaktionärsten Form. Mit ihrer sozialen Demagogie versucht sie sich antikapitalistisch zu geben, während sie in Wirklichkeit dem Kapital in die Hände spielt. Mit ihrer rassitsichen Propaganda versucht sie “die Deutschen” gegen “die Ausländer” oder “die Muslime” auszuspielen und trägt so dazu bei, den in Deutschland ohnehin schwachen Widerstand der ArbeiterInnenklasse zu spalten. Mit Hassparolen wie “Asylflut stoppen!” oder “Geld für die (natürlich deutsche) Oma statt für Sinti & Roma” knüpft sie an rassistische Denkweisen an, die bis in die sogenannte Mitte der Gesellschaft und die bürgerlichen Parteien hinein weit verbreitet sind, spricht diese aber offener aus als die etablierten PolitikerInnen. Wenn die NPD Fordert “Maria statt Scharia” oder von “Natürlich Deutschen Familien” spricht, soll das einerseits das christlich-weiße Abendland gegen die vermeintlich barbarische “islamische Welt” in Stellung bringen, und andererseits die Ideologie verbreiten, “die Deutschen” seien “von Natur aus” bessere Menschen, gehörten also einer höherwertigen “Rasse” an. Beides nützt niemandem mehr als dem deutschen Imperialismus und seinen kriegerischen Großmachtbestrebungen.

Die faschistische Hetzte gegen “südeuropäische Pleitestaaten” auf der einen, gegen “gierige Banker” und das “internationale (gemeint ist: jüdische) Finanzkapital” auf der anderen Seite, lenkt die Ängste und die Wut der Menschen in der Krise auf einzelne Sündenböcke und verschleiert den eigentlichen Grundwiderspruch: den zwischen den Interessen der ArbeiterInnenklasse, also der großen Mehrheit der Menschen, egal wo sie leben, wo sie herkommen, welche Hautfarbe sie haben und welche Sprache sie sprechen, und dem der Profitinteressen der Banken und Konzerne. Das Problem heißt Kapitalismus!

ACHTUNG TERMINÄNDERUNGEN: Aktuelle Infos zur NPD-Kundgebung in Reutlingen auf der Seite der SDAJ Gruppe Tübingen!!! Haltet euch auf dem Laufenden und kommt zahlreich!

Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus!

Weitere Termine der NPD Deutschlandtour: hier und hier

Antikriegstag_PlakatAnkündigungstext des Bündnisses (Friedensplenum/Antikriegsbündnis Tübingen):

“Krieg beginnt hier – Bekämpfen wir ihn hier!” Unter diesem Motto steht die diesjährige Kundgebung zum Antikriegstag in Tübingen. Ausnahmsweise findet die Kundgebung bereits einen Tag vor dem eigentlichen Antikriegstag statt, nämlich am Samstag, 31. August, um 12 Uhr (mit dem letzten Glockenschlag!) auf dem Holzmarkt. Ein breites Bündnis lädt zur Veranstaltung ein, und viele Gruppen präsentieren sich durch Informationsstände.  Am 1. September vor 68 Jahren begann durch den deutschen Überfall auf Polen der Zweite Weltkrieg in Europa. Das ist der historische Anlass für den Antikriegstag. Aktuelle Anlässe gibt es leider mehr als genug: Afghanistan, Irak, Syrien, Mali und anderswo – überall sind die westlichen Staaten und die Bundesrepublik beteiligt, mal direkt und mal indirekt. Deutsche Waffen werden nahezu in allen Kriegen eingesetzt. Deshalb lautet eine der Forderungen: “Stoppt die Rüstungsexporte aus Deutschland!”

Die SDAJ wird mit einem Beitrag zum Thema “Bundeswehr raus aus den Schulen!” vertreten sein.

Kopiervorlage (pdf) für unser Flugblatt zur anlaufenden Intervention in Syrien: Syrien_Kopiervorlage.pdf

denkmal-ernstvon Otto Bruckner

An dieser Stelle dokumentieren wir den Artikel Otto Bruckners, Vorsitzender der Kommunistischen Initiative Österreichs und Gründungsmitglied der entstehenden Partei der Arbeit Österreichs aus dem Jahr 2009.

(Wir übernehmen diesen Artikel von Theorie & Praxis: Sozialismus in Wissenschaft und Politik)

Ernst Thälmann. Eine Würdigung

Vor 65 Jahren, in der Nacht zum 18. August 1944 wurde der Hafenarbeiter, Abgeordnete, langjährige KPD-Vorsitzende und Revolutionär Ernst Thälmann im Konzentrationslager Buchenwald ermordet. Thälmann und seine KPD waren der kraftvollste und mächtigste Widerpart zum aufsteigenden Faschismus in Deutschland. Die KPD der 1920-er und 1930-er Jahre war die stärkste kommunistische Arbeiterpartei Westeuropas, und gerade deshalb ist es von Bedeutung, die Erinnerung an diese Partei und an die einzigartige Persönlichkeit ihres Vorsitzenden im Erbe der revolutionären kommunistischen Bewegung lebendig zu halten.

“Ernst Thälmann widmete sein Leben dem Höchsten der Menscheit: dem Kampf für ihre Befreiung von Ausbeutung und Unterdrückung, für den Frieden zwischen den Völkern, für den Kommunismus. Er war das Vorbild eines mit der Arbeiterklasse eng verbundenen Arbeiterführers…” beginnt das Vorwort zum noch in der DDR erschienenen Buch “Ernst Thälmann. Eine Biographie”/1/ Diese Charakterisierung eines Lebens das am 16. April 1886 in Hamburg begann und immer mit dem Proletariat verbunden blieb, beschreibt schon ganz gut die universellen Fähigkeiten, Wirkungsbereiche und Charaktereigenschaften Ernst Thälmanns.

Anstatt des gebräuchlichen Verfahrens eines Würdigungsartikels, einen möglichst kompletten Abriss über die Stationen eines Lebens zu schreiben, möchte ich mich in dieser Arbeit auf die Darstellung einiger weniger Knotenpunkte der Geschichte, die mit Leben und Wirken Ernst Thälmann eng verknüpft sind, beschränken./2/

Der Arbeiter

Seine sozialen und politischen Wurzeln – dier er Zeit seines Lebens nie vergessen hat – hatte Ernst Thälmann im Hamburger Proletariat. Er arbeitete als Hafenarbeiter, Seemann und Transportarbeiter. Er fand in Stil und Sprache stets den Zugang zu den Hirnen und Herzen der arbeitenden Menschen und prägte damit wesentlich den Aufstieg der KPD zur Massenpartei. Er war aber auch stets da, wenn er gebraucht wurde. Beeindruckend, wie rastlos Thälmann jeden Arbeitskonflikt, jeden Streik aufmerksam verfolgte und bei nicht wenigen – besonders in seinem Hamburg – auch in der Zeit, wo er bereits in Berlin die Geschicke der gesamten KPD lenkte, persönlich als Organisator, Ratgeber und Helfer präsent war.
Seine – mit der Rolle als Streikführer 1923 in Hamburg beginnenden – wichtigen Kampferfahrungen, seinen Mut, seine Entschlossenheit, aber vor allem seine Liebe zu seiner Klasse – machten ihn zu einer herausragenden Persönlichkeit der kommunistischen Bewegung.

Der Organisator

Unter der Führung von Ernst Thälmann gelang es der KPD, ihren Masseneinfluss beachtlich zu steigern und mit ihrer offensiven Aktionseinheitspolitik auch der SPD zuzusetzen. Als Beispiel sei hier die Kampagne der KPD zur Enteignung der Fürsten angeführt, die 1926 in einem von ihr per Volksbegehren erzwungenen Volksentscheid von mehr als einem Drittel der Wählerinnen und Wähler unterstützt wurde.
Wesentlichen Anteil hatte Ernst Thälmann auch am Aufbau des RFB (Roter Frontkämpferbund), der als Gegengewicht gegen faschistische und revanchistische Vereinigungen gegründet wurde, und dessen Vorsitzender er auch war. So nahmen etwa im Mai 1926 in Berlin 50000 Teilnehmerinnen an einem RFB-Treffen teil, das von 300.000 Berlinern begeistert begrüßt wurde.

Der Kommunist

Ernst Thälmann war aber nicht nur Praktiker, seiner politisch-ideologischen Beharrlichkeit (die natürlich untrennbar mit seinem praktischen Wirken verbunden ist) ist der Aufstieg der KPD zur Massenpartei des deutschen Proletariats wesentlich zu verdanken. In den Richtungskämpfen Mitte der 1920er Jahre bezog Thälmann (wie übrigens auch Johann Koplenig in Österreich) eine Position, die im allgemeinen von Lenins Theoriegebäude abgeleitet und als Zwei-Fronten-Kampf bezeichnet werden kann. Er wandte sich gegen ultralinke und realitätsferne Phraseologie ebenso wie gegen Opportunismus. Erst nach Überwindung dieser Auseinandersetzung konnte sich die KPD entfalten und zum stärksten Gegner des aufsteigenden Faschismus werden.

image

Der Internationalist

In der Kommunistischen Internationale (KI) bekleidete Ernst Thälmann wichtige Funktionen. Als junger Kommunist nahm er bereits am 3. Weltkongress 1921 teil und konnte dort noch Lenin persönlich kennen lernen. Ab dem 4. Weltkongress 1924 gehörte er dem Exekutivkomitee der KI an, und später dem Präsidium. Er bekleidete auch viele wichtige operative Funktionen in der sich als Weltpartei des Proletariats verstehenden KI und war an entscheidenden strategischen Entscheidungen beteiligt. Klassenauseinandersetzungen und Arbeitskämpfe in anderen Ländern verfolgte er sehr aufmerksam und setzte auch oft praktische Schritte zu deren Unterstützung. So setzte er sich vehement dafür ein, dass die deutschen Hafenarbeiter die Verschiffung von Kohle nach England verweigerten, als sich die dortigen Bergarbeiter in einem lang andauernden Streik befanden.

Hitlers schärfster Gegner

Unermüdlich bemühte sich Thälmann um die Herstellung einer breiten Aktionseinheit gegen den Aufstieg der Faschisten. Die auf seinen Vorschlag hin ins Leben gerufene “Antifaschistische Aktion” erreichte zwar viele Unorganisierte und sozialdemokratische Arbeiter, nicht aber die Führung der Sozialdemokratie. Der SPD-Spitze war (wie bei der Sozialdemokratie in der Geschichte so oft der Fall) ihr Paktieren mit den Bürgerlichen und ihr Antikommunismus wichtiger. Auf einen provokatorischen Aufmarsch der Nazis im Jänner 1933 vor dem Karl Liebknecht-Haus (der Zentrale der KPD) in Berlin folgte eine beeindruckende Antwort: “…am 25. Jänner demonstrierten 130.000 Berliner Arbeiter ihre Verbundenheit mit der KPD und ihrem Zentralkomitee Für 16.30 Uhr hatte die Partei zu einem Protestmarsch der Antifaschisten gegen die Naziprovokation auf dem Bülowplatz aufgerufen. Schon um 13.00 Uhr begannen sich bei 16-18 Grad Kälte die Arbeiterkolonnen in den Straßen Berlins zu sammeln. Als Fanfarensignale den Aufmarsch eröffneten, betraten Ernst Thälmann und andere Mitglieder der Parteiführung die Tribüne am Karl-Liebknecht-Haus, von brausenden „Rot Front!“-Rufen begrüßt. Über vier Stunden lang marschierte der große Zug der Antifaschisten am Hause des Zentralkomitees vorbei…ein Ausdruck des Vertrauens zu Ernst Thälmann und der Kampfbereitschaft der Arbeiter”. /3/ Zur selben Zeit ließ Goebbels die Lüge verbreiten, Thälmann befände sich in Moskau…
Fünf Tage später wurde Hitler vom Reichspräsidenten Hindenburg (der bei der Präsidentenwahl 1932 im zweiten Wahlgang von der SPD unterstützt wurde) zum Reichskanzler berufen. Die reaktionärsten, am meisten chauvinistischen, aggressivsten Kreise des deutschen Monopolkapitals errichteten ihre offen terroristische Gewaltherrschaft.
Die KPD schlug am selben Tag der SPD und den Gewerkschaften vor, gemeinsam zum Generalstreik für den Sturz der Hitler-Regierung aufzurufen und versuchte auch die Massen mit Flugblättern für dieses Ziel zu mobilisieren, in denen die Hitler-Regierung als „die brutalste, unverhüllteste Kriegserklärung an die Werktätigen, an die deutsche Arbeiterklasse bezeichnet wird. Die Führungen der SPD und der Gewerkschaften hielten am Antikommunismus fest, und gaben sich der Illusion hin, dass unter Hitler demnächst noch freie Wahlen stattfinden würden, wo man ihn ja abwählen könne.
Alsbald wurde der Reichstag aufgelöst und der faschistische Terror gegen die gesamte Arbeiterbewegung setzte ein. Die KPD, die zu diesem Zeitpunkt eine Massenpartei mit 360.000 Mitgliedern und Millionen Sympathisierenden war, musste unter bereits eingeschränkter Legalität arbeiten. In dieser Situation des bereits einsetzenden Nazi-Terrors und der Verhaftung tausender Funktionäre und Mitglieder bereitete sich die KPD auf die Teilnahme an den für 5. März angesetzten Reichstagswahlen vor. 4,8 Millionen Wähler stimmten an diesem Tag für die KPD. Sie errang damit 12,3 Prozent und 81 Mandate, die von den Faschisten umgehend annulliert wurden. Auch Ernst Thälmann wurde wiederum zum Abgeordneten gewählt. Er befand sich zu diesem Zeitpunkt aber bereits in Gefangenschaft. Am 3. März hatten ihn – der bereits seit einiger Zeit untergetaucht war und von einem Spitzel verraten wurde – Polizisten verhaftet.

Durch die herbe Niederlage, die das faschistische Regime im Reichstagsbrand-Prozess gegen Georgi Dimitroff und andere vor der Weltöffentlichkeit erlitt, vorgewarnt, hielten die Nazis Ernst Thälmann zwar gefangen, zögerten eine Anklage und damit eine Verhandlung aber stets hinaus, so dass es zu einer solchen auch nie kam. Thälmann blieb von 1933 bis zu seiner Ermordung 1944 ein Gefangener der Faschisten. Internationale Solidaritätskampagnen für seine Freilassung umspannten nahezu den ganzen Erdball. Auf Befehl Hitlers wurde er am 17. August 1944 in das KZ Buchenwald gebracht und dort noch in derselben Nacht ermordet.

Thälmanns Vermächtnis

“Den faschistischen Gangstern werden wir die Ermordung des Führers der Kommunistischen Partei Deutschlands nicht vergessen!” schrieben deutsche Kommunisten in einem Gedenkartikel in der “Prawda” am 17. September 1944.

Georgi Dimitroff schrieb 1934: “…Es genügt nicht, revolutionäres Temperament zu haben; du musst auch die Waffe der revolutionären Theorie beherrschen. Aber es genügt nicht, rein theoretische Kenntnisse zu haben: Du musst in ununterbrochenem Kampf mit dem Klassenfeind, indem du die ständigen Schwierigkeiten und Gefahren überwindest, in dir revolutionäre Abhärtung und Ausdauer, bolschewistischen Willen, Festigkeit und Hartnäckigkeit zu erziehen verstehen. Es genügt nicht, zu wissen, was man für den Sieg des Kommunismus tun muss: Du musst auch den Mut haben, zu tun, was notwendig ist, musst stets bereit sein, um den Preis jeglicher Opfer das zu tun, was den Interessen der Arbeiterklasse dient. Du musst verstehen, dein Leben ganz den Interessen des Proletariats unterzuordnen.
Der wahre proletarische Revolutionär ist eine lebendige Verkörperung der revolutionären Theorie, die sich in untrennbarem Zusammenhang mit der revolutionären Praxis des kämpfenden Proletariats formiert. Das Musterbeispiel eines solchen proletarischen Revolutionärs ist gerade der Führer der deutschen Arbeiter, Ernst Thälmann. Er ist Blut vom Blute und Fleisch vom Fleische der deutschen Arbeiterklasse und des gesamten Proletariats.”/4/

/1/ Ernst Thälmann. Eine Biographie, Dietz Verlag, Berlin 1979, Autorenkollektiv.
/2/ Hier sei nochmals auf die gründliche Arbeit des Autorenkollektivs in oben zitiertem Buch verwiesen. Eine kurz gefasste und übersichtliche Darstellung des Lebens und Wirkens Ernst Thälmanns findet sich in einem Artikel von Günther Ackermann im Internet: Ein nie gebrochener Führer seiner Klasse [http://www.kommunisten-online.de/historie/ernst_thaelmann1.htm#16.%20April].
/3/ Zit. nach Ernst Thälmann. Eine Biographie, Seite 639
/4/ Georgi Dimitroff: Retten wir Genossen Thälmann!, Ausgewählte Schriften, Band 2, Seite 486