befreiungZur Erinnerung an den Tag der Befreiung, den 8. Mai 1945 hat die SDAJ Freiburg gestern am Platz der altern Synagoge mit vielen AntifaschistInnen aus Freiburg eine Kundgebung abgehalten und Flyer verteilt. In Gedenken an die Opfer des deutschen Faschismus wurde eine Schweigeminute einberufen und rote Nelken niedergelegt.

Im Folgenden hier unserer Redebeitrag für diejenigen, die nicht mit uns dort sein konnten:

Am 08. Mai 1945 – heute vor genau 69 Jahren – wurde der Hitler-Faschismus besiegt und dem größten Verbrechen der Menschheitsgeschichte durch die Alliierten ein Ende gesetzt. Die Eroberung Berlins durch die Rote Armee zwang die Nazis zur bedingungslosen Kapitulation. Aber von „Kapitulation“ sprechen nur jene, für die dieser Tag eine Niederlage war – wir wollen heute den Tag der Befreiung feiern!
Wir feiern diesen Tag als Sieg de Völker über den Nazi-Faschismus, als Befreiung von der schändlichsten Rolle, die Deutschland je gespielt hat.
Zwölf Jahre lang haben die Faschisten Europa mit ihrem Terror überzogen und immer tiefer in den Krieg getrieben. Eine bis dahin unvorstellbare Aggression wurde nach außen vom Zaun gebrochen: der Überfall auf die Nachbarländer im Westen wie im Osten, der Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion und damit die Entfesselung des Zweiten Weltkrieges. Profiteur war die deutsche Industrie, die an Aufrüstung, Krieg und Zwangsarbeitern verdiente.
Innerhalb des Deutschen Reiches und in den besetzten Gebieten wurde ein beispielloses Gewalt- und Ausrottungsprogramm durchgesetzt: die industrielle Vernichtung der Jüdinnen und Juden, Hunderttausender Sinti und Roma, Homosexueller und Menschen mit Behinderung, die massenhafte Ermordung von Millionen sowjetischer Kriegsgefangener sowie die Zerschlagung der Arbeiterbewegung und die fast vollständige Liquidierung jeder politischen Opposition. KommunistInnen wurden eingesperrt, gefoltert, ermordet, weil sie für konsequenten Widerstand gegen Faschismus und Kapitalismus standen.
Als junge Kommunist_innen und Antifaschist_innen betrachten wir es als unsere Aufgabe und unsere Pflicht, heute nicht nur an die zahllosen Opfer des Faschismus zu erinnern, sondern auch an jene Menschen, die alles aufs Spiel gesetzt und aktiv für die Befreiung gekämpft haben. Die internationalen Freiwilligen im spanischen Bürgerkrieg, die Kämpfer_innen der Roten Armee und der Alliierten, die Frauen und Männer im Widerstand und in den vielen Partisaneneinheiten überall in Europa – ihnen gelten heute unser Dank und unser Andenken!
Der 8. Mai 1945 war der Tag, an dem diese Hölle der Konzentrationslager, der Mordanstalten, der institutionalisiertes Menschenfeindlichkeit ein Ende gesetzt wurde und die Verbliebenen das Unglaubliche überlebt hatten. Die überfallenen Nationen konnten aufatmen.
Nach dem diesem Tag gab es zwei Losungen, an denen die Zukunft Deutschlands gemessen werden sollte: Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg!
Dieser Tag ist für uns auch heute ein Tag der Mahnung, denn „der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch“, wie Brecht 1955 warnte.
In der BRD dauerte es nach dem Krieg nicht lange bis viele Nazis wieder führende Posten in Politik, Wirtschaft und Verwaltung übernehmen konnten. Viele Täter blieben unbestraft. Gleichzeitig wurden Antifaschist_innen, darunter zahlreiche Kämpfer_innen des kommunistischen Widerstands, bald wieder verfolgt und eingesperrt.
Die heutige Realität ist davon Kontinuität:
– Die Versammlungsfreiheit von Nazis wird mit brutaler Polizeigewalt durchgesetzt, während AntifaschistInnen kriminalisiert werden. Deutsche Behörden decken und unterstützen mordende Nazibanden wie den NSU.
– Krisenbedingte Unsicherheit ist Nährboden für die Zunahme von rassi-stischen und antisemitischem Gedankengut im Alltag. MigrantInnen, Arbeitslose oder das personifizierte jüdische Finanzkapital müssen als Sündenböcke herhalten, werden als Krisenversacher und Sozialschmarotzer bezeichnet und in Flüchtlingsheimen tätlich angegriffen.
– Seit 1999 nimmt Deutschland wieder an Angriffskriegen teil, ist mit seinen Truppen rund um die Welt präsent und baut die Bundeswehr in eine Angriffsarmee um.
– Um seine Einflussphären zu sichern, wird in der Ukraine die Unterstüt-zung von offen faschistischen Kräften forciert.
Wir sehen, die Bourgeoisie kehrt wieder dahin zurück, den Faschismus als Instrument im Klassenkampf zur Spaltung der Arbeiterklasse zu dulden. Faschismus ist die offenste und brutalste Form des Kapitalismus; er dient dazu, die fortschrittlichen Kräfte zu spalten und gewaltsam zu bekämpfen, während sich die Bourgeoisie mehrheitlich weiter mit einem demokratischen Schafsfell bedecken kann.
Dem gilt es sich zu widersetzen und deutlich zu machen, dass von diesem Land nie wieder Krieg entstehen darf, dass deutsche Profitinteres-sen nicht noch einmal die Welt in Schutt und Asche versetzen dürfen, dass die faschistische Ideologie nicht noch einmal in die Köpfe dringt.
Daher ist unsere Losung als Antifaschistinnen auch knapp 70 Jahre nach dem 08. Mai 1945, den Faschismus mitsamt seiner Wurzeln auszureißen.
Nie wieder Fachismus, nie wieder Krieg!