In Stuttgart ist eine neue SDAJ Gruppe entstanden! Im Folgenden dokumentieren wir die Gründungserklärung:

Arbeitende und lernende Jugendliche aus der Region Stuttgart haben sich heute zusammengefunden um eine neue SDAJ Gruppe Stuttgart zu gründen.

Die SDAJ, Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend, ist eine Selbstorganisation von Schüler_innen, Auszubildenden, jungen Arbeiter_innen und Student_innen, die in Deutschland leben, unabhängig von ihrer Herkunft oder ihrem Pass.
Wir kämpfen für eine Welt ohne Ausbeutung und Rassismus, für eine Welt, in der die Menschen und nicht die Konzerne und Bosse das Sagen haben. Für uns ist der Sozialismus die Alternative für die wir kämpfen.
Diese Alternative werden wir nicht allein durch Verbesserungen der bestehenden Verhältnisse erreichen, sondern dafür brauchen wir einen Bruch mit diesem System, dem Kapitalismus. Für uns ist dieser Bruch, den wir im Kampf um notwendige Verbesserungen unserer Lebensbedingungen erreichen wollen, unvermeidbar um eine sozialistische Gesellschaft zu erreichen. Wir sind deshalb eine antikapitalistische und revolutionäre Organisation.strike_back-draft10

Kapital und Arbeit

Wir sind zunächst einmal gegen den Kapitalismus, da dieser uns und dem größten Teil der Menschheit keine lebenswerte Zukunft bietet. Stattdessen bringt er uns Krieg, Krise, Armut und Ausbeutung. Unsere Rolle als Arbeiter_innenklasse im Kapitalismus ist schlichtweg durch unsere Arbeitskraft den Profit einzelner Kapitalisten zu mehren.

Der Kapitalismus zwingt die Menschen dazu ihre eigene Arbeitskraft zu verkaufen und sich somit Tag für Tag bis auf das Letzte ausbeuten zu lassen, nur damit die obere Klasse, die Bourgeoisie, ihren Reichtum vergrößert. Die Folgen der Profitmaximierung sind letzten Endes steigende Preise und sinkende Löhne. Das Geld reicht vielen Menschen mittlerweile nur noch um sich knapp über der Überlebensgrenze zu halten (besonders hart trifft es die meisten Azubis, Leiharbeiter_innen oder Hartz IV Empfänger_innen).

Deshalb gilt es nun die Arbeiter_innenklasse zu organisieren. Berthold Brecht erkannte bereits: “Wer seine Lage erkannt hat, wie soll der Aufzuhalten sein?” – Wenn das Proletariat erst einmal seine Lage im Kapitalismus erkannt hat wird es also nicht mehr aufzuhalten sein. Doch im Umkehrschluss bedeutet dies auch, dass die Lage erst einmal erkannt werden muss, dass es also der Schaffung von Klassenbewusstsein bedarf.

Für uns als Jugendliche gilt, dass wir selbst für unsere Zukunft kämpfen müssen! Es liegt an uns, unsere Interessen in Schule, Uni und Betrieb gegen die Interessen des Kapitals auf die Straßen zu tragen. Letzten Endes muss uns aber klar sein, dass sich unsere Interessen im Kapitalismus nicht dauerhaft verwirklichen lassen – deshalb kämpfen wir für eine Überwindung dieses Systems und für den Aufbau einer sozialistischen Gesellschaft.

Unsere Klasse darf nicht länger nur ein bloßes Arbeitsinstrument im Dienst der Kapitalisten sein. Die Bourgeoisie darf nicht länger über uns und vor allem über unsere Interessen bestimmen!

Wir haben gelernt: Alle Räder stehen stillen wenn unser starker Arm es will!

Kapitalismus und Faschismus

Hier in Baden-Württemberg werden die faschistischen Strukturen langsam immer stärker. Doch wie kann es sein, dass Nazis wieder aus allen Löchern gekrochen kommen und mehr Einfluss auf die Gesellschaft ausüben, an Schulen CD`s verteilen, ganze Dörfer bewegen um gegen Minderheiten zu demonstrieren, andere Menschen verfolgen und bis in den Tod hetzen, nur weil diese homosexuell sind, eine anderen „Ethnie“ angehören, ihre Meinung nicht teilen oder aus sonstigen Gründen nicht in ihr beschränktes Weltbild passen?

Dies alles passiert auch noch unter Akzeptanz der Gesellschaft und teilweise unter dem Schutz der Polizei oder dem Verfassungsschutz.

Für uns jedoch ist Faschismus nicht hinnehmbar, deshalb sagen wir NEIN zu Nazis!

Der Faschismus ist die brutalste und am offensten terroristisch agierende Form des Kapitalismus, deshalb strebt er auf gar keinen Fall eine soziale oder gar sozialistische Gesellschaft an. Die verlogene Art der Nazis sich selbst als “Nationalsozialisten” zu bezeichnen ist eine schlichtweg falsche Phrase. Damit streben sie an, der Arbeiterbewegung das Ziel einer sozialistischen Gesellschaft vorzugaukeln und sie somit über ihre wahren Ziele hinweg zu täuschen. Gerade diese soziale Demagogie macht sie unter anderem auch so gefährlich. Die Geschichte hat gezeigt wo der Faschismus endet, so etwas darf nie wieder passieren!

Deshalb engagieren wir uns als SDAJ im Kampf gegen Nazis. Wir klären die Gesellschaft über Faschismus auf und beteiligen uns an antifaschistischen Aktionen sowie Demonstrationen damit ihnen der Nährboden entrissen wird.

Nie Wieder Faschismus! Nie Wieder Krieg!

Kapitalismus und Umwelt

Der Kapitalismus ist immer nur auf Profit aus, egal ob dieser auf Kosten der Umwelt und der natürlichen Lebensgrundlage der Menschen und Tiere auf der Erde geschaffen wird. Wir jedoch setzen uns für Umweltschutz ein. Dieser muss auch jetzt schon praktisch werden. Wir wollen dass unser Lebensraum auch in der Zukunft noch nutzbar ist. Deshalb kämpfen wir für das Recht der Menschheit auf eine intakte Natur und Umwelt!

Wie kann es zum Beispiel sein dass Großkonzerne die Umwelt verschmutzen nur um ihren Profit stärker maximieren zu können? – Wir setzen uns für einen Internationalen Umweltschutz ein. Nur dadurch kann die Natur dauerhaft und sinnvoll geschützt werden.

Leere Phrasen bringen der Natur nur wenig, Praxis ist gefragt! – Dauerhaft abgesichert kann der Umweltschutz jedoch nur durch das sozialistische Eigentum an den Betrieben, welches bei den Menschen liegen muss. Nur dann spielt Profit keine Rolle mehr und die Menschen können für ihre Bedürfnisse produzieren ohne dabei ihre eigenen Lebensgrundlagen zu untergraben.

Zum Beispiel ist kapitalistische Massentierhaltung eine große Gefahr für unsere Umwelt. Es werden ganze Regenwälder abgeholzt nur um darauf Soja anzubauen, welches den Tieren verfüttert wird um Fleisch zu produzieren. (Zu Erinnerung: Für 1 Kilogramm Fleisch benötigt man mindestens 56 Quadratmeter Anbaufläche, für ein Kilogramm Soja nur etwa 4,8 Quadratmeter.) Die Regenwälder sind die Lunge der Welt, somit ist durch die Abholzung derer auch der Sauerstoffausgleich der Welt gefährdet.

Des weiteren stellt die Massentierhaltung auch eine direkte Gefährdung für unsere Gesundheit dar. Lebewesen, welche auf engstem Raum gehalten werden, müssen vorbeugend mit Medikamenten wie Antibiotika versorgt werden, um das Verbreiten von Krankheiten zu verhindern. Diese Medikamente stecken dann letzten Endes auch im Fleisch, Fisch, Milch oder im Ei.

Wir sind gegen die Vergiftung durch schlechte „Lebensmittel“ die durch Massentierhaltung verursacht werden. Wir sind dagegen dass unsere Umwelt für den Profit der Kapitalisten aufs Spiel gesetzt wird! Wir wollen auch in Zukunft noch gesund leben, ohne Antibiotika-verseuchte Lebensmittel und mit sauberer Luft.

Bildung und Ausbildung im Kapitalismus

Wir wollen das Bildung jede_n erreicht, und zwar unabhängig vom Geldbeutel der Eltern. Hier im Kapitalismus haben nur Kinder eine Chance auf qualitative „bessere“ Bildung wenn ihre Eltern sich das auch leisten können. Ähnlich ist es bei den Universitäten, wo unter anderem Wohnung, Fahrtkosten und Bücher selbst bezahlt werden müssen.

Jedoch soll Bildung ein Recht für alle sein. Daher wollen wir dass jede_r einen freien Zugang zur Bildung bekommt. Bildung muss ein Grundrecht sein und kein Privileg!

In Deutschland gibt es eine relativ hohe Jugendarbeitslosigkeit. Die Statistiken werden gefälscht durch Maßnahmen, Warteschleifen und ähnliches, in die die Jugendlichen abgeschoben werden, sodass sie nicht mehr in der Arbeitslosenstatistik auftauchen.

Die Politiker behaupten, dass es in Deutschland genügend Ausbildungsplätze gäbe und viele nur nicht besetzt sind. Dies ist aber nur eine Halbwahrheit. Die nicht besetzten Ausbildungen sind oftmals sogenannte Schmalspurausbildungen. Dabei handelt es sich nicht um echte Ausbildungen die die Menschen zu etwas qualifizieren, der Sinn dahinter ist lediglich billige Arbeitskräfte mit einem Lehrlingsgehalt zu bekommen. Die Qualifikationen die dabei erworben werden sind oft nur die von Hilfsarbeitern.

Wenn die Jugendlichen eine Ausbildung ergattern konnten bekommen sie dennoch ein sehr niedriges Gehalt, mit dem sie sich oftmals nicht einmal eine Wohnung finanzieren können. Danach haben viele kaum eine Chance auf Übernahme und landen in der Leiharbeit. Dort werden sie nicht nur schlecht bezahlt sondern sind auch jederzeit kündbar.

Wir fordern deshalb eine Ausbildungsplatzgarantie sowie die sichere Übernahme nach der Ausbildung und ein Leiharbeitsverbot.

Wenn wir uns organisieren…

Aus den bereits genannten Gründen, welche nur einen kleinen Ausschnitt unserer Anschauung darstellen, wird deutlich, dass dieses System uns keine Zukunft bieten kann. Es ist nicht länger hinnehmbar. Die Ausbeutung des einzelnen wird immer extremer und die soziale Ungerechtigkeit und damit die Kluft zwischen Arm und Reich immer größer.

Wir wollen eine sozialistische Welt. Das heißt eine Welt ohne Kriege und ohne Armut. Eine Welt ohne die Sorge auf der Strecke zu bleiben. Eine Welt in der Frieden herrscht und Geld keine Rolle mehr spielt, wo die Arbeit nicht wegen Profitinteressen einzelner ausgeführt wird sondern dem Wohle aller und dem gesellschaftlichen Fortschritt in allen Bereichen.

All das können wir aber nur erreichen, wenn wir uns organisieren und gemeinsam für unsere Interessen kämpfen!

Also: Mach mit bei uns in der SDAJ!

Wir wollen dem Morgenrot entgegen gehen!

Für den Sozialismus!

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Mesa Redonda – Diskussionsrunde mit vier BrigadistInnen

Wie sieht eigentlich der Alltag im sozialistischen Kuba aus? Wie ist das politische System dort aufgebaut? Welche Mitbestimmungsrechte und -möglichkeiten haben junge ArbeiterInnen, SchülerInnen und StudentInnen in Kuba und wie sieht das in der Praxis aus? Wie funktionieren Demokratie und Mitbestimmung in Betrieben? Und was können wir vom kubanischen Sozialismus lernen?

Mit diesen und vielen anderen Fragen im Gepäck haben sich diesen Sommer 50 Jugendliche aus Deutschland und Österreich auf den Weg nach Kuba gemacht. In Form von zwei Solidaritätsbrigaden der SDAJ haben wir jeweils drei Wochen in Havanna verbracht und versucht Einblicke in den dortigen Alltag zu bekommen. Unsere Erfahrungen möchten wir gerne mit euch teilen. In Form einer „Mesa Redonda“, einer Diskussionsrunde, werden vier von uns über unsere Erfahrungen zum Thema Demokratie und Mitbestimmung in Schule, Uni und Betrieb und über das politische System im Allgemeinen berichten. Im Anschluss habt ihr die Möglichkeit, eure Fragen loszuwerden und mit uns zu diskutieren.

Schaut vorbei, wir freuen uns auf euch!

Wo? Linkes Zentrum Lilo Herrmann // Stuttgart // 16. Dezember // ab 18:00

 

???????????????????????????????Am letzten Mittwoch, den 4. Dezember, fand an der Geschwister-Scholl-Schule in Tübingen eine Podiumsdiskussion zum Thema Bildungspolitik statt. Die Veranstaltung war in Folge einer Flyeraktion der SDAJ und einer darauf folgenden Diskussion unseres Flugblatts im Gemeinschaftskundeunterricht einer neunten Klasse zustande gekommen. Neben der Jungen Union, den Jungen Liberalen, den Jusos und der Grünen Jugend waren auch wir durch einen Genossen (Paul Rodermund) auf dem Podium vertreten.

Die Schüler_innen beteiligten sich engagiert an der Diskussion, wobei deutlich wurde, dass die meisten von ihnen das „Turbo-Abi“ (also das achtjährige Gymnasium, „G8“) ablehnen, mehr Geld für Bildung einfordern und längeres gemeinsames Lernen, also die Gemeinschaftsschule, befürworten. Nach ihren eigenen Erfahrungen schließen sich Gemeinschaftsschule und individuelle Förderung der Schüler_innen keineswegs aus. Außerdem wurde klar, dass die Schüler_innen ein Bewusstsein davon haben, dass insbesondere in der BRD die Bildungschancen sehr stark von der sozialen Herkunft abhängig sind. Dass dies höchst ungerecht ist, lag für die meisten an der Diskussion beteiligten jungen Leute auf der Hand.

Unser Genosse Paul hat in der Diskussion deutlich gemacht, dass sich nur etwas zum Besseren verändert, wenn die Schüler_innen selbst aktiv werden und für ihre Interessen kämpfen. So wurde etwa in NRW vielerorts wieder das neunjährige Gymnasium eingeführt während durch Studierendenproteste in vielen Bundesländern die Studiengebühren abgeschafft wurden. Nicht nur haben wir als SDAJ auf den Widerspruch zwischen Worten und Regierungshandeln bei SPD und Grünen aufmerksam gemacht, sondern unser Genosse hat darüber hinaus klar gemacht, dass die herrschende Wirtschaftsordnung ursächlich für viele Probleme des Bildungssystems ist. So wurde beispielsweise das G8 maßgeblich auf Druck der Unternehmen eingeführt, wie andererseits viele Unterrichtsmaterialien heutzutage von der Privatwirtschaft finanziert bzw. bereitgestellt werden. Die Kapitalisten nehmen also ganz direkt und in zunehmendem Maße Einfluss auf die Gestaltung des Bildungssystems sowie auf die Lehrinhalte. Während Schüler_innen ein Interesse an umfassender Bildung, gemeinsamen Lernen und individueller Förderung haben, will das Kapital nur Menschenmaterial, das profitabel verwertet werden kann.

Diese Angriffe auf unsere Interessen als Schüler_innen können wir nur durch gemeinsame Kämpfe abwehren. Zugleich muss uns bewusst sein, dass wir diesen Interessensgegensatz letztlich nicht im Rahmen des Kapitalismus überwinden können, sondern dass wir für eine Gesellschaft, in der sich die Interessen der übergroßen Mehrheit der Menschen durchsetzen, also für den Sozialismus, kämpfen müssen.

Zum dritten Mal soll das Norgren-Werk verlagert werden. Zwei Mal haben die Beschäftigten es bereits verhindern können. Jetzt stehen sie im unbefristeten Streik, um es auch dieses Mal noch zu schaffen.

Im folgenden veröffentlichen den Beitrag eines Genossen aus Tübingen der in der aktuellen Ausgabe der POSITION (unserem Jugendmagazin) erschienen ist. Seit dem Erscheinen des Artikels über den Kampf der Belegschaft des Norgren-Werks haben sich IG-Metall und Geschäftsführung auf einen Sozialplan geeinigt – an der Schließung des Werks wird festgehalten.

norgren„Hier, nehmt ein paar Ratschen und Pfeifen. Wir werden jetzt erst einmal ordentlich Lärm machen“, sagt ein Norgren-Kollege und wir haben, ehe wir uns versehen, je ein Paket Pfeifen und Ratschen in der Hand. Seit dem 14.10.13 sind die Kolleginnen und Kollegen im Werk Großbettlingen jetzt schon im Streik – Tag und Nacht. Die Stimmung ist kämpferisch. Aber vor allem ist es laut. Man merkt, dass die Streikenden es ernst meinen – nicht nur, aber auch bei den Trillerpfeifen. Es ist einer dieser kalten Novembermorgen. Wir sind als SDAJ-Tübingen zum Werk gefahren, um den Streikenden unsere Solidarität zu zeigen und sie zu unterstützen.

Eiskalter Rauswurf

Das Werk produziert größtenteils pneumatische Speziallösungen für LKWs. „Wenn wir nicht weiter produzieren, rollen in Europa keine weiteren LKWs mehr vom Band“, meint eine Kollegin im Streikzelt. Damit wird wohl mehr als deutlich, welche Rolle dieses Unternehmen im internationalen Wettbewerb spielt. Norgren ist einer der weltweit führenden Anbieter von Antriebstechnik. Jetzt soll das Werk in Großbettlingen nach Tschechien verlagert werden.

„Das war wirklich skandalös, wie das abgelaufen ist“ erzählt uns Mike (Name geändert), der auch Mitglied des Betriebsrats ist. „Wir als Betriebsrat wurden zu einer außerordentlich Aufsichtsratssitzung in das Werk in Alpen am Niederrhein gerufen, wo uns die Schließung von Großbettlingen verkündet wurde. Und in diesem Augenblick wurde den Kolleginnen und Kollegen hier in Großbettlingen am Freitagmittag in der Kantine gesagt, dass das Werk schließen wird, sie jetzt nach Hause gehen sollten, um über’s Wochenende klar zu kommen, damit sie am Montag dann wieder professionell arbeiten können.“ Dadurch sollte verhindert werden, dass der Betriebsrat direkt Widerstandsmaßnahmen ergreifen kann und sich die Kolleginnen und Kollegen beraten können. Diese Strategie ist perfide, aber durchaus nichts Neues. Auch der Freitag ist kein Zufall: Würden sich die Beschäftigten direkt am nächsten Tag im Werk wiedersehen, wäre es für sie viel leichter, sich zu solidarisieren und Widerstand zu entwickeln. Der Firma ist es lieber, wenn sie alle alleine zu Hause sitzen und individuelle Lösungswege suchen.

Terror durch die Security

Als die Beschäftigten am Montag wieder an ihre Arbeitsplätze kommen, geht der Terror los. Beim Schuhwechseln, beim Arbeiten oder beim Verlassen des Werks bedrängt der Sicherheitsdienst die Kolleginnen und Kollegen. „Wir hatten hier in den ersten Tagen Kolleginnen, die haben auf Arbeit 7 Stunden lang geweint, weil sie so bedrängt worden sind. Die waren traumatisiert. Das war eigentlich der Punkt, an dem wir das erste Mal rausgegangen sind, also gestreikt haben. Wir wollten erst wieder reingehen, wenn die Security weg ist“, berichtet Mike, während wir gemeinsam im Streikzelt stehen und uns etwas aufwärmen.
Die Sicherheitsleute bei Norgren kommen von der Firma „Correct Control“, einem Ableger von „Thomas Haller Security“. Haller gründete seine Firma in den 1990er Jahren. Gleichzeitig gründete er auch die Gruppe „Hoonara“ (Abkürzung für: Hooligans, Nazis, Rassisten). Damit sind auch der Charakter und das Personal von „Correct Control“ ausreichend beschrieben. Die Arbeit von Correct Control im Werk bestand darin, die ArbeiterInnen einzuschüchtern und zu beobachten. Auch Drohungen von abendlichen Privatbesuchen zu Hause, natürlich wenn die jeweilige Person gerade alleine war, damit es keine Zeugen gibt, waren an der Tagesordnung. „Sie soll aufpassen, wie sie sich aufführt, wir machen normalerweise auch Hausbesuche“ soll ein Security gegenüber einer Kollegin gesagt haben. Auch bei Verhandlungen des Betriebsrates mit der Werksleitung waren sie anwesend, trotz der Präsenz der Polizei.

„Wir vermuten, dass Norgren eine Art Kopfprämie ausgesetzt hat, denn jeder Ausrutscher kann mit einer fristlosen Kündigung geahndet werden. Oder die Leute gehen gleich von selbst, weil sie dem Druck nicht mehr standhalten“, sagt Mike. Nur beweisen kann man nichts, weil der Sicherheitsdienst immer dann besonders aufdringlich wird, wenn die Leute gerade alleine sind. In beiden Fällen müsste Norgren keine teuren Abfindungen zahlen.

Leiharbeit und Werkverträge

Doch damit nicht genug. Eine Kollegin im Streikzelt, die ebenfalls anonym bleiben möchte, berichtet uns über den Einsatz von Leiharbeit und Werkverträgen. „Hier sieht man, dass Leiharbeit von Grund auf scheiße ist, sag ich mal. Wenn sie denn tatsächlich für Auftragsspitzen genutzt werden würde, dann wäre das ja in Ordnung, aber das ist überhaupt nicht der Fall.“ Die Leiharbeit wird als Mittel des Unternehmers zum Streikbruch verwendet. Waren die vergangenen Auseinandersetzungen mit der Betriebsleitung aufgrund der kämpferischen Haltung seitens der Belegschaft und ihrem hohen Organisationsgrad in der IG-Metall zu Gunsten der Arbeiter ausgegangen, so ist das jetzt nicht mehr so, denn „wenn hier kein Leiharbeiter drin wäre, hätten wir schon längst gewonnen“, berichtet der Betriebsrat. Durch den (illegalen!) Einsatz der Leiharbeiter als Streikbrecher wird damit die Kraft der Belegschaft untergraben und zugleich gespalten. „Die erste Leiharbeitsfirma haben wir öffentlich unter Druck gesetzt. Daraufhin wurde der Vertrag zwischen ihr und Norgren aufgelöst. Jetzt ist eine andere Firma angeheuert. Die machen aber keine Leiharbeit sondern Werkverträge, und jetzt können wir juristisch nichts mehr machen. Im Endeffekt ist es in diesem Fall aber das gleiche: Streikbruch.“

Antwort: Widerstand

Die hundertzwanzig-köpfige Belegschaft kommt aus der Region und kennt sich auch privat. Man besucht den ortsansässigen Chor, spielt gemeinsam Fußball. Es ist eine Belegschaft, die bereits zwei Mal gemeinsam erfolgreich gegen die Standortschließung kämpfte. Sie kämpfen mit voller Kraft gegen eine Betriebsschließung, denn sie wissen, dass es keine Alternative gibt: Trotz der illegalen Handlungen seitens der Werksleitung, dem Einsatz von Leiharbeitern, trotz diverser repressiver Maßnahmen gegenüber den Arbeitern, die ständig ihre Rechte einklagen müssen, lässt sich die Belegschaft nicht unterkriegen.
Wie wichtig Solidarität bei einer solchen Auseinandersetzung ist, macht die Kollegin aus dem Streikzelt deutlich: „Trotz des gegenteiligen Versprechens hat Norgren Anfang Oktober abends angefangen die Maschinen abzutransportieren. Wir haben davon durch die Nachbarn erfahren, die uns sofort angerufen haben. Wir haben dann schnell alles was wir konnten mobilisiert und das Tor blockiert. Auch die IG-Metall, die natürlich von Anfang an dabei war, hat sich eingeschaltet. Jede Person, die vorbeikommt, gibt uns einen Grund, einen weiteren Streiktag durchzuführen.“.

Hier wird auch deutlich, wie bedeutsam ein kämpferischer Betriebsrat für die Entwicklung von Widerstand ist, obwohl „besonders wir in Bayern und Baden-Württemberg weniger Mitbestimmungsrechte als in anderen Bundesländern haben“, wie uns der Betriebsrat sagt, „und die Gerichte die Urteile fast immer für die Seite der Werksleitung fällen.“ Der Kampf der Beschäftigten bei Norgren macht einmal mehr deutlich: Unternehmer können, aufgrund der ökomischen Sachzwänge, keine Partner sein. Zugeständnisse werden nur gemacht, um die Belegschaft ruhig zu halten. Wenn sich mehr Profit in Tschechien machen lässt, dann werden 120 Schicksale ohne mit der Wimper zu zucken auf dem Altar des Profits geopfert oder wie es unsere Kollegin aus dem Streikzelt formuliert: „Wir sollen mit unseren Arbeitsplätzen für die Aktionäre bluten. Aber da machen wir nicht mit.“

Omar, Tübingen & Jann, Essen

Aus: POSITION – Magazin der SDAJ, Nr. 1 | 2014
Die nächste Ausgabe der POSITION erscheint am 9. März 2014

bundeswehrkonzert_plakatTreffpunkt für die Proteste gegen das BW-Konzert:

10. Dezember | 18 Uhr | KuCa | Höllentalstraße 2

Am 10.12.13 findet in Freiburg-Littenweiler in der Kirche St. Barbara zum wiederholten Mal ein Adventskonzert des Luftwaffenmusikkorps 2 der Bundeswehr statt. Trotz starker Proteste im letzten Jahr wird erneut versucht, unter dem Label einer kriegsführenden Armee eine kulturelle Veranstaltung durchzuführen und die Bundeswehr als einen „normalen“ Teil der Gesellschaft darzustellen.

Die Bundeswehr führt Krieg!

Ob in Afghanistan, im Kosovo oder vor der Küste Somalias – seit 1999 beteiligt sich Deutschland wieder aktiv an Kriegen. Bei diesen Einsätzen geht es nicht um „Menschenwürde, Freiheit und Demokratie“, wie so oft propagiert wird. Die Kriegseinsätze, an denen die Bundeswehr beteiligt sind, bedeuten für die Menschen vor Ort immer eine Katastrophe! Angebliche Hilfsmaßnahmen und humanitäre Hilfseinsätze dienen  hier lediglich als Alibi zur Legitimierung der Einsätze. In erster Linie werden deutsche Wirtschaftsinteressen verfolgt. So sicherten vergangene Kriegseinsätze z.B. in Afghanistan oder dem Sudan vor allem einen besseren Zugriff auf örtliche Märkte und Ressourcen.

Die Bundeswehr ist kein  Kulturverein!

Auch das geplante Konzert am 10.12. ist bereits Propaganda für laufende und zukünftige Kriege. Vor allem seit dem Aussetzen der Wehrpflicht und der damit einhergehenden Umstrukturierung der Bundeswehr ist sie darauf angewiesen, auf junge Menschen attraktiv zu wirken und versucht bei öffentlichen Gelöbnissen, Infoständen auf Messen, bei Werbung in den Medien, Jugendoffizieren in Schulen oder Konzerten von  Musikkorps sich als gewöhnliche Arbeitgeberin und Bestandteil der Gesellschaft darzustellen. Hier wird  versucht, potentielle neue RekrutInnen zu erreichen und Akzeptanz in der Gesellschaft zu erlangen, um die Kriegseinsätze im Ausland rückwirkend zu legitimieren.

Bereits im letzten Jahr hatten wir uns dazu entschlossen, diese als Kulturveranstaltung getarnte Propaganda für den nächsten Krieg nicht länger hinzunehmen. Nach einer entschlossenen Mobilisierungphase demonstrierten wir mit Die-Ins, Kriegsgeräuschen, Samba-Band, Transparenten, Schildern, einem Leopoard-Panzer aus Holz, dem Aufhängen der gesammelten  Unterschriften, einem Redebeitrag und Parolen vor und während des Konzerts und machten die Bevölkerung auf die wahren Hintergründe dieser Veranstaltung aufmerksam. Auch in diesem Jahr sind wir nicht weniger entschlossen, den Protest in die Öffentlichkeit zu tragen und der Kriegswerbung die Stirn zu bieten.
Kriegspropaganda darf kein Raum geboten werden! Weder die Kirche noch die Schule, Uni oder andere öffentliche Einrichtungen dürfen sich für militärische Zwecke einspannen lassen. Wir fordern den sofortigen Stopp aller Auslandseinsätze. Krieg darf kein Mittel der Politik sein.
Für uns alle muss die Losung gelten:

Krieg ist keine Lösung! Nie wieder Krieg!

Zur Bündnis-Website: Arbeitskreis gegen Krieg und Militarisierung