Judenpogrome Kopie

Am 9. November 2013 jährt sich zum 75. Mal die Reichpogromnacht, mit der die Verfolgung von Jüdinnen und Juden unter der faschistischen Herrschaft in Deutschland auf eine neue Stufe der Brutalität und Erbarmungslosigkeit gehoben wurde.

Ein breites Bündnis lädt zu einer Gedenkkundgebung am Platz der alten Synagoge (König-Karl-Straße zwischen Wilhelmsplatz und Daimler-Platz) in Cannstadt ein. Beginn ist um 16:30.

Im Folgenden dokumentieren wir ein Flugblatt der DKP Baden-Württemberg zur Reichpogromnacht:

Wer am 9. November 1938 in Nazideutschland lebte, konnte nie mehr sagen, er habe nichts gesehen und nichts gehört. Vor aller Augen zerstörten die Nazis in der sogenannten „Kristallnacht“ Geschäfte und Synagogen, zündeten sie an, hetzten in abscheulicher Weise gegen Juden, entrechteten, enteigneten und entwürdigten sie, zwangen sie zum Verlassen ihrer Wohnungen. Im ganzen damaligen Deutschen Reich geschah das – auch in den Städten und Gemeinden Badens, Württembergs und Hohenzollerns, wo immer es einen jüdischen Bevölkerungsanteil gab. Es war der unübersehbare Auftakt zum späteren Holocaust, der Shoah – der industriemäßig organisierten Menschenvernichtung von 6 Millionen Jüdinnen und Juden aus ganz Europa. Und es war der generalstabsmäßige Test der Mord- und Kriegsbereitschaft der Deutschen. Keine zehn Monate später begann mit dem Überfall auf Polen der Zweite Weltkrieg, der über 50 Millionen Tote forderte.

Die Nazis wählten für ihr Judenpogrom nicht zufällig den 20. Jahrestag der deutschen Novemberrevolution. 1938 hatten sie sich bereits Österreich angeeignet. Im „Münchner Abkommen“ vom 30. September 1938 hatten die Regierungen Großbritanniens und Frankreichs der Abtretung des Sudetengebiets zugestimmt, um die Aggression Hitlerdeutschlands Richtung Osten gegen die Sowjetunion zu lenken. Damit wurde die dem „Großdeutschen Reich“ benachbarte Tschechoslowakei zerstückelt und wehrlos gemacht. Spätestens ab da glaubten die Nazis, sich in der Innen- und Außenpolitik alles erlauben zu können. Den „Führer“ bejubelnde Massen gehörten stets zur Kulisse.

Zur Erinnerung: Am 30.Januar 1933 wurden die Hitlerfaschisten durch Reichspräsident von Hindenburg an die Macht gehievt, im Auftrag der reaktionärsten politischen Kreise, der Reichswehr und namhafter Repräsentanten der Hochfinanz und Großkonzerne. Die waren dann auch die Hauptprofiteure und Nutznießer von Aufrüstung und anschließendem Eroberungskrieg. Bereits im März 1933 wurde die KPD verboten und wenig später die SPD, die Gewerkschaften und alle Organisationen der Arbeiterbewegung. Ihre Funktionäre und Aktivisten wurden zu Tausenden ermordet, Zehntausende in Zuchthäuser und KZs geworfen, Hunderttausende in die Emigration getrieben. Dieser blanke Terror der Nazis hatte seine Wirkung nicht verfehlt: Die große Mehrheit des Restes der deutschen Bevölkerung war eingeschüchtert, ließ sich gleichschalten … Die Parteigänger der Nazis triumphierten…

Diese Ereignisse dürfen nicht in Vergessenheit geraten. An vielen Orten finden Gedenkveranstaltungen statt. Auch wir von der DKP unterstützen dies mit ganzer Kraft.

Ja, im Nazi-Reich gab es auch weiterhin Mutige, die sich als Minderheit dem Terror und der Hetze aktiv entgegen stellten – aus menschlichem Anstand, Solidarität und Mitgefühl, aus religiösen Wertvorstellungen, aus politischer Überzeugung. Organisierten Widerstand, mit großen Opfern, leistete die in den Untergrund getriebene Kommunistische Partei Deutschlands. Illegal verbreitet wurde beispielsweise ihre Erklärung „Gegen die Schmach der Judenpogrome … die vor der gesamten Menschheit die Ehre Deutschlands mit tiefster Schmach bedeckt haben“. Der Text war ein Aufruf zu menschlicher Hilfe. Er prangerte die Verantwortung der Nazis für die Aktionen der Pogromnacht an und ihr Ziel, „den wachsenden Volkszorn gegen die nationalsozialistische Diktatur, gegen die wahnsinnige Ausplünderung des ganzen deutschen Volkes zu Gunsten der Rüstungsmillionäre und der korrupten Nazibonzen abzulenken auf Unschuldige mit dem Ruf ‚Der Jud ist schuld!’“ Und weiter heißt es: „Die Befreiung Deutschlands von der Schande der Judenpogrome wird zusammenfallen mit der Stunde der Befreiung des deutschen Volkes von der braunen Tyrannei.“

Das war die Haltung der damaligen KPD. Leider kam die Befreiung nicht – wie sie hoffte – viel früher aus der Mitte des organisierten deutschen Widerstands, sondern erst am 8. Mai 1945 von außen, durch die Alliierten der Antihitlerkoalition, vor allem durch die Rote Armee. Die Antifaschisten zogen daraus die Lehre: Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg! Von deutschem Boden darf nie mehr Krieg ausgehen! Lassen wir nicht zu, dass das heute in Vergessenheit gerät!

Allerdings wurde nach 1945 im Westen Deutschlands – nach einer kurzen Phase der „Entnazifizierung“ – unter dem Einfluss der Westmächte im „Kalten Krieg“ gegen die Sowjetunion sehr bald die Macht und der Einfluss der alten Wirtschafts- und politischen Eliten restauriert. Die meisten Nazigrößen blieben in Amt und Würden. Als antikommunistische Bündnispartner waren sie wieder hochwillkommen!

So sind es heute im Grundsatz die gleichen Kräfte und Mächte, die das Wiederaufkommen von Neonazis und Rassisten mindestens wohlwollend dulden oder sogar direkt durch staatliches Handeln fördern – etwa durch V-Leute und Polizeischutz für Nazi-Aufmärsche.

Wieder einmal – wie 1920-1933 – sollen faschistische Banden mit nationalistisch-fremdenfeindlichen Parolen von den wirklichen Ursachen der kapitalistischen Wirtschaftskrise und ihren asozialen Folgen ablenken. Zugleich sollen linke Organisationen und Aktivisten eingeschüchtert werden.

Das Erinnern an den 9. November 1938 verpflichtet uns heute in besonderer Weise, allen Naziaktivitäten entgegen zu treten. Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen! Es gibt kein Recht auf Nazipropaganda! Die wurde nach 1945 mit Recht verboten (Art.139 Grundgesetz). Wehren wir uns, wenn sie wieder auf die Straße getragen wird. Setzen wir uns dabei ein für breiteste Bündnisse ohne Ausgrenzung. Antifaschismus ist kein „Extremismus“! Antifa-Jugendgruppen sind keine randalierenden Fußballfans, sondern ein Teil gelebter Demokratie. Das muss auch das Handeln der Polizei bestimmen.

Offen gegen Juden zu hetzen, trauen sich die heutigen Nazis nur selten. Umso unverschämter ist ihre Hetze gegen Sinti und Roma, Muslime, Migrantinnen und Migranten, Asylsuchende, in die Arbeitslosigkeit Getriebene, Menschen anderer Hautfarbe und mit anderer sexueller Orientierung. Und natürlich gegen alle politisch Andersdenkenden.

Wehren wir allen Versuchen, solches Gedankengut in der „Mitte der Gesellschaft“ salonfähig zu machen!

Verbot der NPD und aller anderen Nazigruppen!

Schluss mit aller staatlichen Unterstützung und Finanzierung von Naziaktivitäten, auch durch sogenannte “V-Leute”

Volle Aufklärung über alle Verstrickungen des “Verfassungsschutzes” und der Polizei in den sogenannten “NSU” und seine Mordserie! Auch und gerade hier in Baden-Württemberg!

“Verfassunsgschutz” auflösen!

Wie können wir die Welt nicht nur interpretieren, sondern sie auch verändern? Über welche Mittel verfügen wir, die gesellschaftliche Wirklichkeit zu begreifen und diese nach unseren Bedürfnissen zu gestalten?

marx-engels-300x205Wir sind der Ansicht, dass uns auch heute noch die Marx’sche Lehre theoretische Instrumente an die Hand gibt, unsere Lage zu erkennen und zu analysieren. Sie kann uns auch heute noch als Schlüssel zum Verständnis sozio-ökonomischer Verhältnisse und historischer Prozesse dienen, und uns helfen, eine revolutionäre Praxis zu entwickeln.

Gerade weil die Klassiker des Marxismus aus Schule und Uni verdrängt wurden, ist es uns ein Anliegen, uns über Originaltexte ihre Lehren zu erschließen. Als SDAJ-Gruppe Freiburg wollen wir einen Raum für das Studium und für die kollektive Debatten in Form eines Lesekreises schaffen.

Dabei gehören für uns Fragen, Widersprüche und Kritik ausdrücklich dazu. Statt konsequenzloser Diskussionsrunde wollen wir uns gemeinsame Grundlagen erarbeiten mit all denen, die an revolutionärer Theorie und Praxis interessiert sind.

Wir freuen uns immer über neue und neugierige Gesichter! Wenn du Fragen hast, oder vorbeikommen möchtest, dann schreibe uns.

Wir treffen uns alle zwei Wochen Donnerstags um 19.00 Uhr im Linken Zentrum – adelante! (Glümerstraße 2, Freiburg).

Geplante Termine und Texte:

Datum Textgrundlage
31/10/13 W.I. Lenin: Drei Quellen und Drei Bestandteile des Marxismus
14/11/13 SDAJ Grundlagenschule: Marxistische Philosophie (S. 2-10)
28/11/13 F. Engels: Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft I (S. 189-201)
12/12/13 F. Engels: Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft II (S. 202-209)
Weihnachtspause
09/01/14 SDAJ Grundlagenschule: Wissenschaftlicher Sozialismus (S. 20-24)
23/01/14 K. Marx: Thesen über Feuerbach
06/02/14 H.H. Holz: 10 Thesen zur Marxistisch-Leninistischen Theorie

SDAJ-FahneVergangenes Wochenende führte die Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) erfolgreich ihren 21. Bundeskongress durch. Zwei Tage lang diskutierten 100 Delegierte im hessischen Eschborn bei Frankfurt am Main über Arbeitsvorhaben in den nächsten zwei Jahren. Neben einer Kampagne und einer Handlungsorientierung, wurde auch ein neuer Bundesvorstand und einer neuer Vorsitzender gewählt.

Der Bundeskongress ist das höchste beschlussfassende Gremium der SDAJ, er findet alle zwei Jahre statt. Nach intensiver Vorbereitung ist es das erste Mal seit über zwanzig Jahren gelungen, den Kongress wieder als Delegiertenkongress durchzuführen. An den knapp fünfhundert Änderungsanträgen an die Leitanträge des Bundesvorstandes und den qualifizierten Diskussionen lies sich die intensive Vorbereitung aller Gruppen und Landesverbände erkennen.

Lang und ausführlich wurde der Vorschlag des Bundesvorstandes zu einer Kampagne im Bereich Arbeiterjugendpolitik diskutiert. Die Kampagne hat zum Ziel Verursacher und Profiteure mieser Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen zu outen und Jugendliche in Kämpfe zu führen. Zentrales Mittel der Kampagne „Unsere Zukunft statt eure Profite! Ausbeuter outen – Ausbildung erkämpfen“ ist dabei die Forderung nach einem Ausbildungsgesetz.

SDAJ2In der Debatte um eine alternative Kampagne zum Thema Jugendarbeitslosigkeit in Europa wurde intensiv über den Charakter von Gesetzesforderungen, den Zusammenhang von Theorie und Praxis bei der Herausbildung von Klassenbewusstsein und der Rolle einer revolutionären Jugendorganisation in Reformkämpfen diskutiert. Einmütigkeit gab es bei der Feststellung, dass der SDAJ niemand die wichtige Aufgabe abnehmen wird in betrieblichen Kämpfen die Einsicht zu vermitteln, dass die Interessen der Arbeiterjugend nur gegen den Willen der Herrschenden und ihren Staat durchzusetzen sind.

Mit einigen Änderungen beschlossen die Delegierten letztlich die Kampagne „Unsere Zukunft statt eure Profite“ als Antwort auf die aktuelle Offensive der deutschen Banken und Konzerne. Anknüpfend an die in letzter Zeit gewachsenen Erfahrungen der SDAJ in gewerkschaftlichen und betrieblichen Kämpfen werden im Jahr 2014 nun also die Kräfte gebündelt um gemeinsam mit vielen Jugendlichen für einen klaren Riegel gegen die Verfügungsgewalt des Kapitals zu kämpfen. Auf der Straße und in den Betrieben soll Druck für mehr Ausbildungsplätze, eine qualitativ hochwertige Ausbildung, deutlich bessere Vergütung und gegen Ausbildungsplatzmangel, Leiharbeit, fehlende Übernahme, sowie befristete Arbeitsverträge aufgebaut werden.

Diese Kämpfe zusammenzuführen bedeutet, den politischen Kampf um ein Ausbildungsgesetz zu führen. Im Kampf für so ein Ausbildungsgesetz wird auch erfahrbar, wer in diesem Staat wirklich das Sagen hat: die Banken und Konzerne! Gegen sie muss das Ausbildungsgesetz gemeinsam durchgesetzt werden.

Neben der Kampagne wurde vor allem eine Handlungsorientierung, die Entwicklungsschritte in allen zentralen Arbeits- und Schwerpunktbereichen des Verbands festlegt, diskutiert und beschlossen. Großen Raum nahmen Debatten über Inhalt und Ausbaumöglichkeiten der Bildungsarbeit, die Weiterentwicklung der Frauenpolitik, sowie Schutzmaßnahmen gegen staatliche Repression und Angriffe von Rechts ein.

Nachdem seit dem letzten Bundeskongress mit Baden-Württemberg ein weiterer Landesverband gegründet werden konnte beschlossen die Delegierten, dass sich die SDAJ nun verstärkt der Anleitung landesweiter Arbeit und dem Aufbau von Strukturen im Osten zu widmen hat.

buko3Mit einem Video wurde an die erfolgreichen Kubabrigaden erinnert, die auch von Gästen von der Freundschaftsgesellschaft BRD-Cuba und dem kubanischen Konsulat in Bonn gewürdigt wurde. Der Eintritt neuer Mitglieder wurde gefeiert, GenossInnen, die aus Altersgründen die SDAJ verließen, darunter der bisherige Bundesvorsitzender Björn Schmidt, wurden verabschiedet. Der Kongress dankte Björn besonders für seine orientierende Rolle in der Arbeit als Vorsitzender in den letzten fünf Jahren. Gewählt wurde auch eine neue bundesweite Leitung des Verbandes. Der 23-jährige Paul Rodermund aus Baden-Württemberg wurde zum neuen Vorsitzenden gewählt.

Wichtiger Bestandteil der Tagung waren auch die revolutionären Grüße der vielen anwesenden Gäste, die ein fürs andere mal für stehenden Beifall sorgten. Anwesend waren VertreterInnen von Schwesterorganisationen aus Belgien, Griechenland, Luxemburg, Österreich, Spanien und der Vizepräsident des Weltbundes der demokratischen Jugend. Patrik Köbele, Vorsitzender der Deutschen Kommunistischen Partei betonte in seinem viel beklatschten Grußwort das besondere Verhältnis von SDAJ und DKP.

Mit diesem Bundeskongress hat sich die SDAJ für die kommenden Kämpfe der arbeitenden und lernenden Jugend gestärkt und konnte neue Schritte in der Entwicklung des Verbandes gehen. Die sorgfältigere und kollektivere Vorbereitung durch das Delegiertenprinzip qualifizierten die Diskussionen, die auch zeigten an welchen Punkten der Verband in Zukunft weiter diskutieren muss.

Nun geht es darum die vielen Diskussionen und Beschlüsse in eine schlagkräftige Praxis zu übertragen. Im Kampf auf der Straße und im Betrieb: „Ausbeuter outen – Ausbildung erkämpfen!“

(Auch die jungeWelt berichtet in ihrer heutigen Ausgabe)

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Wir unterstützen das Überregionale Bündnis Nazis Stoppen! Fahrt am 12. Oktober mit uns nach Göppingen! Infos zur gemeinsamen Anfahrt aus Tübingen folgen in Kürze.

Nazis stoppen!
Kein Naziaufmarsch am 12. Oktober in Göppingen!

Die Faschisten in der Region Göppingen haben in den letzten Jahren eine aktive Naziszene aufgebaut. Allein im letzten Jahr veranstalteten die selbsternannten “Autonomen Nationalisten Göppingen” fünf Kundgebungen und Demonstrationen und fielen immer wieder auf, durch Bedrohungen und Angriffe gegen Menschen, die nicht in ihre beschränkte Weltanschauung passen. Am 12. Oktober wollen sie nun erneut aufmarschieren. Das lassen wir uns nicht bieten!

Die Stadt Göppingen ist ein Paradebeispiel dafür, wie sich Naziszenen entwickeln können, wenn sie nicht frühzeitig als Problem erkannt und bekämpft, sondern stattdessen von Lokalpolitik und Stadtverwaltung verheimlicht und verharmlost werden. Wenn Nazis auf diese Art Raum geboten wird, nutzen sie diesen und breiten sich aus. Bringt man ihnen Gleichgültigkeit oder gar Toleranz entgegen, so zeigen sie verstärkte Präsenz durch Angriffe und Agitation. Jedes selbstbestimmte öffentliche Auftreten der Faschisten stärkt sie nach Innen und ist eine unmissverständliche Drohgebärde nach Außen. Je stärker und durchsetzungsfähiger sie sich dabei geben können, desto anziehender wirkt der Auftritt auf rechtsoffene SympathisantInnen, desto höher also die Gefahr von weiterem Zulauf.

Seit nunmehr über 90 Jahren morden sich der Faschismus und seine Vertreter durch die Geschichte. Mindestens 184 Tote durch Nazigewalt in der BRD seit 1990, die NSU-Morde und der rassistische Massenmord von Oslo sind aktuelle Beispiele der mörderischen Konsequenzen dieser Ideologie. Es ist ein fataler Fehler, diese Taten aus ihrem politischen Zusammenhang zu lösen und zu Gewalttaten fanatischer Einzeltäter umzudeuten. So bleiben die dahinterstehenden Strukturen, Netzwerke und Verbindungen im Dunkeln und werden verharmlost. Die deutschen Faschisten haben mit ihrem Vernichtungszug gegen die europäischen Jüdinnen und Juden, gegen Sinti und Roma und Homosexuelle, mit der blutigen Zerschlagung der gesamten ArbeiterInnenbewegung und dem kompromisslosen Kampf gegen alle fortschrittlich gewandten Menschen schon einmal eines der dunkelsten Kapitel der Menschheitsgeschichte geschrieben. Auch wenn die faschistische Gewalt heute in ihren Dimensionen neben diesen Ereignissen verblasst, so entspringt sie doch derselben Intention, derselben Gedankenfolge von wertvollem und unwertem Leben. Die heutigen Faschisten sind die direkten Nachfolger der Nazis von damals. Zwangsarbeit, das Verbot jeder gewerkschaftlicher Mitbestimmung, die systematische Verschlechterung der Arbeitsbedingungen und nicht zuletzt ein unvorstellbar zerstörerischer Weltkrieg, dem Millionen von Menschen geopfert wurden. Das sind die realen Auswirkungen einer faschistischen Herrschaft. Mit dem vermeintlichen Kampf gegen “Unrecht”, oder gar antikapitalistischen Aussichten hat das nichts zu tun. Nazis sind keine Antikapitalisten, sondern streben die Zuspitzung von Ausbeutung und Unterdrückung an. Eine vielfältige und dabei gleichberechtigte Gesellschaft mit wirklichen Beteiligungsmöglichkeiten ist das genaue Gegenteil der faschistischen Bestrebungen und ihr erstes Angriffsziel.

Alle, die für Solidarität und gesellschaftliche Mitbestimmung eintreten, haben zugleich auch die Pflicht, rechte Angriffe abzuwehren und den Nazis einen aktiven Widerstand entgegenzubringen. Solange die menschenfeindliche faschistische Hetze verbreitet werden kann, ist es notwendig, den Verantwortlichen jeden Handlungsraum zu nehmen. Faschistische Demonstrationen sind zwar nur die Spitze des Eisbergs, sie sind zugleich aber der offensichtlichste Punkt, an dem eine Gegenbewegung ansetzen kann und muss. Diese Aufmärsche mit Blockaden zu verhindern ist ein viel erprobtes Mittel, das sich in den letzten Jahren mehrfach bewährt hat. In zahlreichen Städten in der ganzen BRD – Dresden, Karlsruhe, Mannheim, oder Potsdam sind nur einige Beispiele – haben hunderte und tausende Menschen aus allen Teilen der Gesellschaft, unabhängig von Alter, Herkunft, oder sozialem Hintergrund mit engagiertem Einsatz bewiesen, dass Nazis gestoppt werden können. Um das zu erreichen, müssen wir als antifaschistische Bewegung zusammenhalten und einen respektvollen und solidarischen Umgang wahren.

Am 12. Oktober werden wir den Nazis in Göppingen unsere Solidarität, unseren Zusammenhalt und unsere Entschlossenheit entgegensetzen – sie sollen keinen Schritt laufen!. Dabei wollen wir uns weder auf Provokationen der Polizei einlassen, noch werden wir uns von ihr einschüchtern, oder uns von unserem Vorhaben abbringen lassen. Kommt alle und bringt gemeinsam mit uns einen vielfältigen, kreativen und dynamischen Widerstand auf die Straße! Wir werden die Stadt mit Leben füllen, lautstark demonstrieren und die Nazis blockieren. Solange die Gegner eines solidarischen und gleichberechtigten Zusammenlebens ihre Hetze auf die Straße tragen, werden wir nicht aufhören eines deutlich zu machen:

Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen!
Kein Fußbreit den Faschisten!

Wir.Dienen. Dem Kapitalismus_headerAm Donnerstag, den 26.9., machten sich einige Genoss_innen auf den Weg nach Balingen (Zollernalbkreis), um dort eine der mittlerweile immer häufigeren Propaganda- und Rekrutierungsveranstaltungen der Bundeswehr zu stören.

Seit einigen Jahren drängt die Bundeswehr vermehrt an Schulen, Berufsschulen, in die sog. „Jobcenter“ sowie ganz allgemein in den öffentlichen Raum. Dies soll einerseits generell der Normalisierung ihrer Präsenz in der Öffentlichkeit – und somit der Akzeptanz von Kriegseinsätzen – dienen. Zugleich ist die Bundeswehr seit der Aussetzung der Wehrpflicht darauf angewiesen, neue Rekrut_innen gezielt anzuwerben. Besonders perfide ist, wie die Bundeswehr hierbei die Perspektivlosigkeit junger Menschen, die oftmals keine Aussicht auf einen Ausbildungs- oder Studienplatz haben, ausnutzt.

Auch bei dieser „Berufsmesse“ in Balingen versuchte sich die Bundeswehr als „normaler Arbeitgeber“ darzustellen. Sozusagen zwischen Bäckerhandwerk und Baugewerbe trat also auch die Bundeswehr auf – immerhin eine Armee im Einsatz, die für den Tod tausender Zivilisten und Aufständischer insbesondere in Afghanistan verantwortlich ist. Als sei es ein Job wie jeder andere, Menschen in besetzten Ländern zu erschießen oder zu bombardieren, warb die Bundeswehr hier für eine vermeintliche „Karriere mit Zukunft“. Selbstverständlich wurden keine Fotos zerfetzter Leichen gezeigt oder etwa berichtet, wie viele deutsche Soldat_innen verletzt, verstümmelt und traumatisiert in die BRD zurückkehrten oder sich nach ihrem Kampfeinsatz am Hindukusch das Leben nahmen. Stattdessen fabulierten uniformierte Soldat_innen vom angeblichen „Dienst für Deutschland“ und guten Karrierechancen, wobei sie massenhaft Merchandise-Artikel verteilten.

Wir erwarteten unterdessen die Schüler_innen am Eingang des Messegeländes mit einem „Bundeswehr raus aus den Schulen!“-Transpi. Ein falscher Jugendoffizier (ein Genosse in einer Bundeswehruniform vom Flohmarkt) machte mit lauten Rufen auf sich aufmerksam: „Wer will für sein Land sterben?“. Nach anfänglicher Irritation verstanden jedoch die meisten jungen Leute, dass es sich bei den Parolen des „Soldaten“ um bittere Ironie handelte, dass das ganze also eine antimilitaristische Aktion war. Außerdem verteilten wir einige Hundert Flyer, die von den meisten sehr interessiert entgegen genommen wurden. Mit verhältnismäßig vielen Besucher_innen dieser „Jobmesse“ kamen wir auch ins Gespräch, wobei wir nicht nur die Lebenswirklichkeit von Soldat_innen – Gehorsam, Verlust von Grundrechten, Morden und Getötetwerden – darlegten, sondern auch über den Zusammenhang von Kapitalismus bzw. Imperialismus und Militäreinsätzen aufzuklären suchten.

Nicht nur haben wir mit dieser Aktion sicherlich einige Schüler_innen zum Nachdenken anregen können; besonders erfreulich waren darüber hinaus positive Rückmeldungen von Seiten mancher Lehrkräfte.

Bundeswehr raus aus den Schulen, raus aus den Köpfen, raus aus allen besetzten Gebieten!